ORF hat es eiliger mit Digital-TV

18. Oktober 2005, 21:56
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Im Oktober 2006 will ORS schon zum Start 70 Prozent der Bevölkerung und alle Landeshauptstädte damit versorgen

Forsch formulierte die ORF-Sendertochter ihre Bewerbung für die Abwicklung von digitalem Antennenfernsehen: Im Oktober 2006 will sie schon zum Start 70 Prozent der Bevölkerung und alle Landeshauptstädte damit versorgen.

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Auch Techniker neigen zu verniedlichenden Abkürzungen. Längst spricht man weder in der ORF-Sendertochter ORS vom "Multiplexer" noch in der Medienbehörde, bei der sich die ORS beworben hat, diesen Multiplexer zu betreiben. Sondern vom "Mux" oder "Muxer".

Um den ersten Muxer hat sich nur die ORF-Tochter beworben. Als Bedingungen nannte die Medienbehörde KommAustria: Binnen Jahresfrist müssen 60 Prozent der Bevölkerung auf dieser Frequenzkette digitales Fernsehen empfangen können.

Dieses Jahr beginnt mit Rechtskraft des Bescheides der KommAustria. Der wird noch vor Weihnachten erwartet. Verstreichen vier Wochen Berufungsfrist (ohne Mitbewerber erwartungsgemäß) ungenutzt, läuft der Zähler ab Anfang 2006.

Ambitioniertere Ziele

In ihrer Bewerbung hat sich die ORS freilich nach Informationen des STANDARD vom Küniglberg ambitioniertere Ziele gesetzt: Schon zum Start im Oktober 2006 will sie 70 Prozent der österreichischen Bevölkerung - mit allen Landeshauptstädten - mit digitalen Signalen versorgen.

Weiter geht es etwas zäher. Im Februar 2007 sollen es bereits 77 Prozent der Bevölkerung sein, Ende 2008 dann 91 Prozent und schließlich im Dezember 2010 95 Prozent mit dann 349 Sendern.

Auf dieser ersten digitalen Frequenzkette sollen ORF 1, ORF 2 und ATV+ Platz finden, zudem interaktive Zusatzdienste. Wer diese digitalen Fernsehsignale empfangen will, braucht einen Decoder. Sonst bleibt der Bildschirm muxmäuschenstill und finster.

Ein Gutteil der jährlich 6,75 Millionen Euro Förderung für den Umstieg auf Digitalfernsehen verbilligen die Kaufpreise dieser Decoder. Das trifft sich gut: Denn auch die Pläne der ORF-Sendertochter für die Abschaltung der bisher gewohnten analogen Fernsehsignale sind ambitionierter als jene der Behörde. Und schon die KommAustria sieht nur höchstens sechs Monate Parallelbetrieb vor, wenn eine Region flächendeckend mit digitalem terrestrischem Fernsehen versorgt ist.

Abschalten ab 2007

Insider rechnen also im Frühjahr 2007 damit, dass in den erster Gebiete analoges Fernsehen abgeschaltet wird. Schließlich soll die ORS "ehestmöglich" Ballungsräume mit einer zweiten Frequenzkette versorgen. Und Frequenzen sind rar.

Rund 14 Prozent der Österreicher sehen derzeit noch rein terrestrisch fern, bekommen ihre Signale also alleine über Haus- oder Zimmerantenne. 32 Prozent der Fernsehhaushalte mit analoger Satellitenschüssel empfangen ORF, ATV, Puls und andere Regionalsender ebenfalls über Antenne.

Ein Gutteil dieser Satseher dürfte auf digitalen Satellitenempfang umsteigen, wenn sie ORF & Co nicht mehr über Antenne bekommen. Digital erhält man auch die heimischen Sender übers All.

Bald noch mehr: Die ORS überlegt, schon den dritten Transponder bei Astra zu mieten. Weiterer Platz für eine Handvoll Programme, etwa Spartenkanäle.

Die ORS bastelt freilich auch an weiteren Anreizen für Antennenfernsehen: Mit der Mobilkom bereitet sie schon Pilotversuche in Wien und Salzburg für terrestrischen TV-Empfang über Handy vor. (Harald Fidler/DER STANDARD, Printausgabe, 28.9.2005)

  • Dieses Ding liefert bald nur noch mit einem neuen Decoder TV-Signale ins traute Heim.
    foto: der standard/cremer

    Dieses Ding liefert bald nur noch mit einem neuen Decoder TV-Signale ins traute Heim.

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