"Alle Wege führen nach Bratislava"

3. November 2005, 10:42
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Bratislava wird über kurz oder lang zweiter Wiener Flughafen, zeigt sich SkyEurope-Gründer Mandl anlässlich des Handelsbeginns an den Börsen Wien und Warschau überzeugt

Wien - Über kurz oder lang werden Wien und Bratislava noch enger zusammenrücken ist SkyEurope-Chef Christian Mandl überzeugt. Eine neue Autobahn und flotte Bahnverbindungen dürften nicht mehr allzulange auf sich warten lassen, um seine Vision "Bratislava wird der zweite Wiener Flughafen" wahr werden zu lassen, zeigt er sich überzeugt. Schon jetzt ist es für Wiener Fluggäste kein außerordentlicher Aufwand mehr, einen SkyEurope-Flug im 50 Kilometer entfernten Bratislava anzutreten. Shuttlebusse, die sich am Flugplan orientieren und Gratisparkplätze für anreisende Fluggäste machen es möglich.

Geboten wird von SkyEurope derzeit ein Flugnetz von 54 Routen zu 30 Zielen in 18 europäischen Ländern mit Fokus auf Hauptflughäfen. Die Flotte des Low-Cost-Carriers umfasst zur Zeit 15 Flugzeuge und soll zwischen 2006 und 2009 wesentlich erweitert werden. Kürzlich wurden 32 neue Boeing-Maschinen der nächsten Generation 737-700 bestellt. Neue Flüge nach Bukarest und Sofia wird es ab 9. bzw. 12. Dezember zu Ticket-Preisen ab 25 Euro geben und in Österreich wird nun auch ab Salzburg und Innsbruck geflogen.

Geglückter Börsegang

Der Börsegang der SkyEurope Holding AG, der mit Sitz in Wien befindlichen Holding von SkyEurope Airlines, sei ein historisches Ereignis, betonten SkyEurope-Gründer Christian Mandl und Wiener-Börse-Vorstand Stefan Zapotocky am Dienstag einhellig vor Journalisten in Wien. SkyEurope ist nicht nur das erste slowakische Unternehmen, das einen Börsegang an der Wiener Börse durchführt, sondern auch mittels Doppellisting an der Börse Warschau notiert. Möglich macht dies eine am 1. Juli 2005 in Kraft getretene EU-Direktive, die ein Doppellisting mittels Passporting System ermöglicht.

Mit dem heutigen Börsegang ist SkyEurope die fünfte europäische Low-Cost Fluggesellschaft mit Börsenotierung und die erste Zentral- und Osteuropas, die Zugang zu den Aktienmärkten hat. Der Emissionspreis für die Aktien der Billig-Airline SkyEurope, die nun an den Börsen in Wien und Warschau notieren, lag bei 6 Euro. Kurz nach Handelsbeginn lag sie bei 6,50 Euro, um 12:00 Uhr MESZ bei 6,18. Mit der Mehrzuteilungsoption (Greenshoe) ist der Börsegang insgesamt knapp 78 Mio. Euro schwer. Auf Basis des Emissionspreises errechnet sich eine Marktkapitalisierung von 120 Mio. Euro. Damit befinden sich nach dem Börsegang 8,4 Prozent in der Hand der Gründer, 7,8 Prozent gehören einem Konsortium, 18,9 Prozent institutionellen Investoren (32 Prozent aus Großbritannien, 25 Prozent aus Österreich, 17 Prozent aus Deutschland, 11 Frankreich, 15 andere Länder)64,9 Prozent sind im Streubesitz.

Kritische Masse ab 2006

Hinsichtlich der Dividendenpolitik werde man es halten wie die Konkurrenz, namentlich Ryanair oder Easyjet, so Mandl und keine Dividende auszahlen. Vielmehr würden Gewinne investiert werden. Die müssen allerdings zunächst einmal verdient werden. Nach Schätzungen von Analysten dürfte der Verlust im laufenden Geschäftsjahr (per September) bei 26,6 Mio. Euro liegen. Dazu - so Mandl - bedürfe es einer kritischen Masse, die es zu überwinden gelte. Konkret sei dies mit vier neuen Flugzeugen pro Basis in Bratislava, Budapest, Krakau und Warschau zu erreichen. Geplant ist deren Einsatz ab 2006. Die neuen Modelle seien günstiger in der Wartung, bräuchten bis zu 8 Prozent weniger Treibstoff als herkömmliche Modelle und seien insgesamt produktiver, weil öfter einsetzbar.

Schwieriger Einstieg

Angesprochen auf die schwierige Situation in der Luftfahrt hat Mandl ein einfaches Erfolgsrezept: "Wenn es den traditionellen Fluglinien schlecht geht, geht es uns gut", das sei bereits in anderen prekären Situationen wie der Golfkrise so gewesen. "Flugpreise sind für alle gleich hoch, es geht diesbezüglich also allen gleich schlecht", lautet seine Rechnung. Low-Cost-Carrier könnten die hohen Treibstoffpreise dank ihrer günstigeren Kosten zum Teil kompensieren. SkyEurope verrechnet laut Mandl derzeit einen Treibstoffzuschlag von 9 Euro je Strecke. Der Anteil der Kerosinkosten an den Gesamtkosten von SkyEurope stieg im Sommer auf rund 30 Prozent. Zum Vergleich: Bei der AUA ist dieser Anteil auf 17 Prozent gestiegen. Üblicherweise lag er etwas unter 10 Prozent.

Auch wenn man sich hinsichtlich der Dividendenpolitik nicht von anderen Low-Cost-Anbietern unterscheidet, so betont Mandl die Abgrenzung in den Vertriebswegen. 44 Prozent der Tickets von SkyEurope werden derzeit noch in Callcentern erstanden. Wesentlich sei deshalb die lokale Bearbeitung der Märkte in den jeweiligen Landessprachen, das Angebot, Tickets auch bar bezahlen zu können, denn Internet- und Kreditkartennutzung seien derzeit nicht für alle Kunden gleichermaßen nutzbar.

Langfristig viel Phantasie

Investoren müssten langfristig denken, so der SkyEurope-Gründer: "Die Entwicklung des Unternehmens geht einher mit der Entwicklung des zentral- und osteuropäischen Raumes." Inklusive der Ukraine und Russland habe der Markt wesentlich mehr Einwohner als Westeuropa. "Da gibt es viel Phantasie", so sein Ausblick.

SkyEurope wurde am 6. September 2001 von Mandl und Alain Skowronek gegründet. Mit Flugbasen in Wien-Bratislava, Budapest, Krakau und Warschau ist das Unternehmen nach eigenen Angaben die führende "Low-cost Low-fare Fluglinie" in Zentral- und Osteuropa. (rb)

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    Am 6. September 2001 wurde SkyEurope von Christian Mandl (l.) und Alain Skowronek (r.) gegründet - ein schwieriger Zeitpunkt findet Mandl heute, also eine gute Zeit einen Low-Cost-Carrier zu gründen.

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