Chinesische Schuhe in Italien auf dem Vormarsch

7. November 2005, 14:17
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Der Exportschlager Italiens wird von chinesischen Billig­schuhen von den europäischen Straßen gedrängt - Italiens Schuhindustrie fordert Schutzmaßnahmen

Der italienischen Schuhindustrie, einstigem Aushängeschild der Modebranche "made in Italy" geht es schlecht. Im Vorjahr wurden 8000 Stellen gestrichen, heuer sollen es mehr werden. Grund für die Misere ist nicht so sehr der starke Euro oder eine allgemeine Konsumflaute, sondern es sind die Chinesen.

Diese überschwemmen laut Rossano Soldini, Präsident des Herstellerverbandes ANCI, nicht nur den chinesischen, sondern auch den europäischen Markt mit Schuhen zu Dumpingpreisen.

Soldini fordert unter anderem Anti-Dumping-Maßnahmen seitens der EU. "Die Bürokratie in Brüssel ist zu schwerfällig. Bis eine Entscheidung getroffen ist, könnte es bereits zu spät für Italiens bzw. für die europäische Schuhbranche sein", kritisierte der ANCI-Präsident im STANDARD-Gespräch die EU.

Bei der am Wochenende zu Ende gegangenen italienischen Schuhmesse Mican, der ersten Messe auf dem neuen Mailänder Messegelände, waren keine chinesischen Aussteller präsent. "Für die haben wir keinen Platz", heißt es seitens der Messeorganisatoren.

Importexplosion

Die Importe chinesischer Lederschuhe sind in den ersten Monaten 2005 um über 1000 Prozent gestiegen. Italiens Schuhexporte sind gleichzeitig um mengenmäßig 14 Prozent bzw. 20 Million Paar gesunken. Zwar erwirtschaftet Italiens Schuhindustrie mit 7000 meist klein strukturierten Unternehmen noch einen Bilanzüberschuss von vier Mrd. Euro.

In Zukunft sehen Experten aber nur mehr ein Wachstumspotenzial für die im oberen Preissegment angesiedelten Hersteller. So erzielte etwa der Nobelschuhhersteller Tod's mit seinen edlem Mokassins und handgefertigten Sportschuhen, aber auch Geox mit seinen patentierten "Schuhen, die atmen" im ersten Halbjahr 2005 Rekordergebnisse.

"Unsere Schuhindustrie ist grundsätzlich gesund, wir haben schließlich eine jahrhundertealte Handwerkstradition. Aber wir kommen nicht gegen einen unlauteren Konkurrenten an. Die chinesischen Schuhe werden nicht nur unter ihren Rohstoffpreisen verkauft.

Die Chinesen erhalten auch noch einen Exportzuschlag von 15 Prozent. Damit können wir nicht konkurrieren. Ich fordere keineswegs protektionistische Maßnahmen, sondern nur gleiche Regeln für alle", meinte Soldini zum STANDARD. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 27.09.2005)

Thesy Kness-Bastaroli aus Mailand
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    Arbeit auf Hochtouren in chinesischen Schuhfabriken - die Exporte haben sich seit Anfang 2005 vervielfacht.

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