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10. Oktober 2005, 22:10
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Schon nach wenigen Szenen von "We are Camera/Jasonmaterial" entwickelt sich aus der Mischung von Familienidyll und Agententhriller eine Tragödie - Vorarlberger Landestheater

In We are Camera/Jasonmaterial setzt sich ein westdeutscher B-Waffen-Forscher, der nebenbei für die DDR spioniert, mit seiner Familie via Finnland in den Osten ab. Vor diesem Hintergrund und vor einem mit Flokati-Teppich drapierten Bühnenbild (Hella Prokoph) wird in raschen Zeitsprüngen zwischen den Stationen dieser Flucht hin und her gezappt. 1969, 1972, 1984, 1992. Eine zu Beginn etwas verwirrende Angelegenheit. Doch schon nach wenigen Szenen entwickelt sich aus der Mischung von Familienidyll und Agententhriller eine Tragödie, in der die Handelnden scheinbar ausweglos in ihr Schicksal gezwungen werden.

Der Wissenschafter Ernst (Johannes Gabl) kämpft nach traumatisierenden Kriegserlebnissen für eine bessere Zukunft. Doch sein Engagement führt ihn in Alkoholismus und Einsamkeit. Er stirbt am Suff und hinterlässt seine Frau Paula (Verena Ehrmann) und seine beiden Kinder Sonja (Jasmin Rischar) und Mirco (Martin Rother) in der ostdeutschen Perspektivlosigkeit der Nachwendejahre. John (Michael Schiemer), ein Agent und Hotelportier, übernimmt mit Elektrogitarre und distanziertem Kommentar die Funktion eines Conférenciers, bzw. eines griechischen Chores. Die Argonauten suchen ein "richtiges", ein politisch korrektes Leben. Doch ihre Reise scheitert am eigenen Ego und versickert in lähmender Teilnahmslosigkeit. Ein trauriges Stück von Fritz Kater, das von Christian Schäfer spannend inszeniert wurde. (mh/DER STANDARD, Printausgabe, 27.09.2005)

Vorarlberger Landestheater
05574/428 70
4., 9., 14. 10.
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    foto: landestheater vorarlberg
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