CocoRosie: "Noah’s Ark"

    4. Oktober 2005, 11:53
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    Die neue CD des Duos ist ein kleiner Kosmos in sich

    Die CD beginnt ganz unaufdringlich, sanft und leise. Doch schon nach wenigen Takten wird man in die Musik von CocoRosie förmlich hineingesogen. Alles um einen herum verschwindet und man findet sich in einer Welt wieder, die gleichzeitig verstörend und bezaubernd ist. Noah’s Ark, das aktuelle Album von CocoRosie, ist keine CD, die man nebenbei anhören kann. Sie fordert genaues zuhören, um ihre Besonderheit entfalten zu können.

    Schon die Geschichte hinter dem Duo CocoRosie klingt wie ein Märchen und vielleicht ist es das ja auch. Hinter CocoRosie stecken die zwei Casady-Schwestern, Bianca und Sierra, Kinder eines kanadischen Hippie-Mädchens und eines Schamanen der Cherokee-Indianer. Schon früh trennten sich ihre Wege, bis sie sich vor zwei Jahren in Paris wieder trafen.

    Dort begannen sie auch Musik aufzunehmen, in der Badewanne mit einem Vierspur-Rekorder, einem billigen Mikrofon und viel Champagner. Ihr so entstandenes Debüt-Album „La Maison de Mon Rêve“ erschien 2004 und fand nicht zuletzt wegen des kindlich wirkenden Umgangs mit Melodien, Gesang und Klangkulisse viel Beachtung.

    Unerkennbare Geräusche

    Wurden auf „La Maison de Mon Rêve“ noch unerkennbare Gerätschaften für den Soundteppich verwendet, so sind auf Noah’s Ark die Hintergrundgeräusche eindeutiger zu zuordnen. Man erkennt das Wiehern von Pferden, dann wieder singende Sägen oder Glockenspiele, am sorglosen Umgang mit den Sounds und dem Gesang hat sich aber nichts geändert.

    Mal ist die Musik eingängig und melodisch und darüber ein gequältes Krächzen, dann zeigt Sierra, die eine Ausbildung zur Opernsängerin machte, ihre Fähigkeiten, hinterlegt von Alltagsgeräuschen oder schlecht aufgenommenen Elektronic-Beats. Noah’s Ark ist wie im biblischen Sinne ein kleiner Kosmos in sich, ein Abbild der Vielfalt, das sich zu einer eigenwilligen, folkig feinfühligen Mischung ergänzt.

    Neben den zwei Schwestern haben auch Antony, der mit den Johnsons bekannt wurde, bei „Beautiful Boyz“, Devandra Banhart mit Lautsprechergesang bei „Brazilian Sun“ und der Franzose MC Spleen bei den Tracks „K-hole“ und „Bisounours“ mitgeholfen, die CD zu dem zu machen, was sie ist - ein Album, bei dem man den Alltag vergessen kann.

    Noah’s Ark ist ein Spiel mit Widersprüchlichem, doch genau das macht die CD interessant und absolut hörenswert. Man muss nur bereit sein, sich auf die Musik voll und ganz einzulassen, der Rest kommt dann von selbst. (ost)

    • CocoRosie
Noah's Ark
Touchandgo (Trost)
      cover

      CocoRosie
      Noah's Ark
      Touchandgo (Trost)

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