Spitzenforschung als Schlüssel für den Standort

1. Dezember 2005, 10:30
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Trotz heftiger Diskussionen um den Sparstift und die Medikamentenkosten bietet Österreich als Standort für die Pharma eine gute Basis

"Treibende Kraft der Pharmaindustrie in Österreich wird auch in den kommenden Jahren die Biotechnologie sein", so Reiner Reich, Geschäftsführer der Boston Consulting Group in Wien und Koautor der Studie "Position und Perspektiven von Österreich in der Biotechnologie". Vor allem mit der so genannten roten Biotechnologie, also mit biotechnologischen Verfahren und Produkten im Bereich Medizin und Pharma, könne Österreich bis 2015 eine jährliche Wertschöpfung in der Forschung von rund 1,6 Mrd. Euro erreichen. Dadurch könnten direkt und in den vor- und nachgelagerten Wertschöpfungsbereichen "deutlich mehr als 10.000 neue Jobs geschaffen werden". Den Börsengang der Intercell sieht Reich "als Basis für eine starke Entwicklung des Sektors".

Die Wirtschaftskammer schätzt den Gesamtpharmamarkt in Österreich gegenwärtig mit 10.000 Beschäftigten auf etwa 1,9 Mrd. Euro. Rund fünf Dutzend industrielle Pharmafirmen sind in Österreich aktiv.

Auch wenn über den Sparstift der Regierung im Gesundheitswesen und über Kostenverteilungen derzeit heftig gestritten wird: Auch die Spitzenmanager namhafter innovativer Pharmafirmen bestätigen, dass die gute Verfügbarkeit hoch qualifizierter Arbeitskräfte in Österreich ein wesentliches Standortkriterium sei. Allerdings, so Pharmig-Generalsekretär Jan Oliver Huber: "Es fehlt ein fairer Marktzugang für unsere neuen Produkte." Die Ansiedlungsagentur ABA zitiert lobend das World Competitiveness Yearbook 2005, wonach auf Platz fünf von 51 bezüglich der Verfügbarkeit qualifizierter Arbeitsplätze rangiert.

Mit 2002 rund 125 Mio. Aufwendungen für Forschung & Entwicklung trägt die Pharmaindustrie rund 16 Prozent der F-&-E-Aufwendungen österreichischer Unternehmen. Weiterbildung, Kongresse und Sponsoring für Forscher, Ärzte und Apotheker kommen noch dazu. Biotech-Cluster (etwa Wien) und verschiedene Tech-Pools versuchen den Boden für Innovation zu bereiten. Gemeinsam mit zehn Unis sowie öffentlichen und privaten Organisationen forscht die Branche in Österreich von der Immunologie bis bis zu Pharmacogenomics. (kbau, Der Standard, Printausgabe 24./25.9.2005)

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