"Energiemix führt in Sackgasse"

7. November 2005, 14:34
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Standard-Diskussion über die Verteilungskämpfe um das Erdöl im Palais Trauttmannsdorf

Wien - Der derzeitige Energiemix mit seiner hohen Abhängigkeit von Erdöl ist nach der stellvertretenden Bundessprecherin der Grünen, Eva Glawischnig, zu kritisieren: "Wir gehen da sehenden Auges in eine Sackgasse. Die Frage ist, wieso gibt es keinen Plan B."

Die Podiumsdiskussion des STANDARD zum Thema "Der Kampf ums Öl. Gewinner und Verlierer durch Märkte und Machtpolitik" am Donnerstagabend war geprägt von der Sorge, dass die notwendigen Umstellungen wegen der weniger werdenden Erdölvorkommen "große und grobe Konflikte programmieren", wie es Klaus Werner, Ko-Autor des demnächst erscheinenden Buches "Schwarzbuch Öl" (Verlag Deuticke) formuliert. Es gehe darum, in den kommenden Jahrzehnten eine "sanfte Landung" zu bewerkstelligen, führt sein Mitautor, Thomas Seifert, aus.

Chinas Ölhunger hat noch gar nicht richtig begonnen

Wenn große Wirtschaftsblöcke wie China zunehmenden Energiebedarf anmelden, sei nur logisch, dass die reichen Länder mit ihrem kontinuierlichen Ölhunger, diesen zurückschrauben müssen, weil sonst die Vorkommen nicht einmal mehr über die prognostizierten 30, 40 Jahre reichen. Dabei habe China noch nicht einmal begonnen, richtig Öl zu konsumieren, strich Johannes Benigni, Geschäftsführer der Handelsfirma PVM Oil, hervor. "China deckt seinen Energiebedarf zu 80 Prozent aus Kohle", sagte Benigni, der sich mehr Forschung im Bereich besserer Ölausbeutung wünschen würde. "Derzeit liegt die Ausbeutung nur bei 40 Prozent."

Es müsse bewusst werden, dass "wir alle weit über unsere Ressourcen hinaus verbrauchen", sagte Glawischnig. Würde Österreich etwa komplett auf Benzin/Diesel aus nachwachsenden Rohstoffen umstellen, bräuchte dies die doppelte Anbaufläche, über die Österreich verfügt.

Ein Umstieg auf Alternativen gestalte sich schwierig; weil er den Interessen großer Konzerne widerspräche, erklärte Werner, da sich Energie aus Windkraft und nachwachsenden Rohstoffen von kleinen Einheiten bereitstellen lasse. Glawischnig sieht Alternativen zu wenig diskutiert: "Viele Länder denken nur an Atomstrom." (ruz, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24./25.9.2005)

  • Schwieriger Umstieg: Johannes Benigni, Eva Glawischnig, Eric Frey (Chef vom Dienst, DER STANDARD), Thomas Seifert, Klaus WErner (v.li.) bei der Podiumsdiskussion über Gewinner und Verlierer beim Kampf ums Öl im Palais Trauttmannsdorf.
    foto: standard/newald

    Schwieriger Umstieg: Johannes Benigni, Eva Glawischnig, Eric Frey (Chef vom Dienst, DER STANDARD), Thomas Seifert, Klaus WErner (v.li.) bei der Podiumsdiskussion über Gewinner und Verlierer beim Kampf ums Öl im Palais Trauttmannsdorf.

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