Ene mene muh, was zahlst du?

21. Oktober 2005, 16:08
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Kinderbetreuung in der Steiermark, im Burgenland und in Wien höchst unterschiedlich - Teuer ist sie überall - mit Infografik

Jedes Bundesland versucht es anders, nicht jedes Alter wird gleich gut versorgt: Die Qualität der Kinderbetreuung in Österreich ist höchst unterschiedlich. Und die Kosten für die Eltern sind zu hoch, wie Sonja Dörfler vom Institut für Familienforschung meint.

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Wien/Eisenstadt/Graz - Billiger oder gar gratis, auf jeden Fall flächendeckend - in Wahlkampfzeiten versprechen die einzelnen Parteien viel in Sachen Kinderbetreuung. Doch wie ist die derzeitige Situation in der Steiermark, im Burgenland und in Wien?

"Bei den unter Dreijährigen ist Wien seit Jahren Spitzenreiter", sagt Sonja Dörfler vom Institut für Familienforschung (ÖIF). Die Betreuungsquote liege bei 22 Prozent. Auf den zweiten Platz kommt das Burgenland mit 10,7 Prozent. "Es ist eindeutig, dass die beiden Länder in diesen Bereich mehr investieren", folgert die Soziologin. Die Steiermark offenbar nicht: Dort liegt die Quote bei bescheidenen 4,1 Prozent - trotzdem stärker als in anderen Bundesländern auf Tagesmütter gesetzt wird.

EU-Empfehlung

Der EU-Empfehlung, bei den unter Dreijährigen eine Betreuungsquote von 30 Prozent bis 2010 zu erreichen, ist höchstens Wien nahe gerückt.

Im Kindergartenalter sind die Unterschiede geringer, wie eine Erhebung aus dem Vorjahr über die Kinderbetreuungssituation in ganz Österreich zeigt: 97,5 Prozent aller burgenländischen Kinder besuchen einen von 190 Kindergärten (Steiermark 78,5, Wien 87,7, Österreichschnitt 85,2). Eine unlängst beschlossene Novelle des Kindergartengesetzes stellt im Burgenland nun den finanzschwachen Gemeinden des Südens eine Landesförderung in Aussicht.

Nachmittagsbetreuung fehlt

Im Argen liegt laut Dörfler die Nachmittagsbetreuung der Schulkinder: "Da muss angesetzt werden." Stichwort Ganztagsschule. "Es wird immer ideologisch diskutiert, anscheinend ist es nicht möglich, sachlich darüber zu reden", ärgert sie sich.

Entscheidender Punkt beim Kinderbetreuungsangebot ist aber die Kostenfrage. Dörfler: "Studien zeigen, dass jeder Euro Mehrkosten einen negativen Einfluss auf die Erwerbspartizipation von Frauen hat." Ziel müsse sein, die Elternbeiträge zu senken. Und da sei die öffentliche Hand - ob Bund oder Länder - gefordert. In Wien und Burgenland gibt es zwar eine soziale Staffelung. Die Deckelung sollte, so Dörfler, aber niedriger sein. Beispiel Schweden: Dort zahlt niemand mehr als 150 Euro. In Wien kostet der Besuch eines Ganztageskindergartens 202,12 Euro. Dazu kommt aber noch ein Essensbeitrag von 57,41 Euro. Zum Vergleich: In der Steiermark kostet der Kindergartenplatz im Schnitt ganztägig im Monat 150 Euro.

Viele Versprechen

Und es könnte billiger werden: Noch ist es ein Wahlversprechen, in der nächsten Landtagsperiode soll nach Wunsch von Landeshauptfrau Waltraud Klasnic (ÖVP) das neue Kinderpaket aber umgesetzt sein. Alle steirischen Kinder sollen das letzte Kindergartenjahr geschenkt bekommen (die gleiche ÖVP-Forderung gibt es für Wien). Eltern, die ihre Kinder in einen Privatkindergarten geben, erhalten für das letzte Jahr den durchschnittlichen Elternbeitrag für einen öffentliche Kindergarten ersetzt, sagt Klasnic.

Die SPÖ will noch einen Schritt weitergehen. Klubchef Walter Kröpfl rät, auch die Nachmittagsbetreuung in den Schulen künftig gratis anzubieten. Davon ist bei den Wiener Roten nicht die Rede. Sie wollen die Kinderkrippen und das Ganztagsschulenangebot ausbauen. Am weitesten geht das Versprechen der Wiener Grünen: flächendeckende Kinderbetreuung ab der Geburt. (mue, pm, wei, DER STANDARD, Printausgabe 24./25.9.2005)

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    grafik: oliver schopf
  • Kinder nach Altersgruppen
    grafik: der standard

    Kinder nach Altersgruppen

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