Warum so allein?

4. November 2005, 16:28
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Wenn wir die "Krone" nicht hätten, wir wüssten gar nicht, wie übel das Schicksal einer desperaten Hausfrau mitspielen kann...

Wenn wir die "Krone" nicht hätten, wir wüssten gar nicht, wie übel das Schicksal einer desperaten Hausfrau mitspielen kann, von der Millionen desperate Hausfrauen meinen, so desperat wären sie auch einmal gern wie die desperate Teri Hatcher. So alleine, Teri? versenkte sich das Blatt in seiner bunten Ausgabe vom 18. September in die Sorgen und Nöte, unter denen die Fernseh-Desperada schmachtet wie jeder. Und klagte auf dem Cover, das Teris Rückenansicht in rotem Kleid zierte, gefühlvoll an: Wieso findet sie keinen?

Und wenn wir nicht "Gala" vom 8. September hätten, niemals wüssten wir, woher sich die "Krone" außer für das gleiche Foto von Teri im roten Kleid auch noch zur intensiv nachempfundenen Leidensgeschichte Teris inspirieren ließ. Warum so allein? hat die deutsche Wochenschrift schon zehn Tage vorher gefragt, ohne dass es der "Krone" gelungen wäre, in dieser Frist Antwort auf eine derart schicksalsschwere Frage zu finden. Ja, es besteht einiger Anlass für die Vermutung, sie habe es gar nicht erst versucht, sondern sich damit begnügt, "Gala" als Quelle dieser aufwühlenden Story zu benutzen, ohne sich der Mühsal zu unterziehen, sie auch zu nennen. Warum denn? "Gala" muss es ja auch von irgendwoher haben, da braucht man den schöpferischen Instinkten im eigenen Haus keine Zügel anzulegen.

Wie konnte es überhaupt so weit kommen? fragt "Gala". Die Frau, der durch ihre Rolle als Hausfrau Susan ein eindrucksvolles Hollywoodcomeback gelang, hat alles, wovon Männer träumen. Sie ist unglaublich attraktiv, beherrscht ein bezauberndes Lächeln, etc. Eine Ausgangslage, die sich in der "Krone" so darstellt: Sie hat alles, was sich eine Frau wünschen kann. Mit 40 Jahren sieht sie besser aus denn je. Sie hat einen Traumkörper, um den sie viele beneiden... Endlich hat sie nach jahrelanger TV- und Filmabstinenz wieder eine Rolle bekommen, die sie erneut dorthin hat kommen lassen, wo sie hingehört - nein, nicht ins Haus, sondern ganz oben auf die Liste der besten Schauspielerinnen.

Aber was hilft 's? "Es gibt keinen Mann in meinem Leben!", klagte Teri kürzlich in einer Drehpause der "Desperate Housewives" in Los Angeles einem Reporter ihr Leid. "Gala" bemüht sich eben noch um seriöse Quellenangaben. "Mir geht es wie jeder anderen Singlefrau auch: Ich habe Schwierigkeiten, den Richtigen zu finden. Auch mir rennen Männer nicht die Bude ein." In der "Krone" jammert Teri ganz ähnlich. "Ich arbeite viel, und es gibt keinen Mann in meinem Leben", sagte sie in einem Interview. Wem und wo erfährt man nicht. "Mir rennen die Männer auch nicht die Bude ein", hörte man sie vor gar nicht langer Zeit sich beklagen.

Dieser Unterschied zwischen "Auch mir rennen Männer nicht die Bude ein" und "Mir rennen die Männer auch nicht die Bude ein" könnte ein Hinweis darauf sein, dass die "Krone" alles selber recherchiert hat. Er wäre erhärtet, wenn es bei ihr statt "Es gibt keinen Mann in meinem Leben!" geheißen hätte: "In meinem Leben gibt es keinen Mann", aber zu viel Originalität wäre nicht glaubwürdig. Das gilt ebenso für die Männer, die es in Teris Leben schon gegeben hat. Der Richtige war noch nicht dabei, resümierte "Gala". Einer Affäre mit Bryan Burk, Produzent des TV-Hits "Lost", folgte ein Techtelmechtel mit Schauspielerkollege David Spade, während es laut "Krone" ganz anders zuging: Mehr als ein kurzes Techtelmechtel ergab sich nicht - weder bei Bryan Burk, einem Produzenten, noch bei Schauspielerkollegen David Spade. Es waren leider nicht die Richtigen.

Dabei drängte sich ein Richtiger auf - leider nur im TV. Die "Gala"-Version: Susan, die Frau aus der TV-Kultserie, ist glücklich verliebt. In einen kernigen Klempner. Bei Teri Hatcher repariert der Handwerker nur den Küchenabfluss, um Herzensangelegenheiten kümmert er sich nicht. Weder er noch ein anderer. Und genau das lässt die 40-Jährige langsam verzweifeln. Und in der "Krone": Niemand, der bei ihr, wie in der Serie, vorbeikommt und den Küchenabfluss repariert. In Teri Hatchers Leben gibt es leider keinen Installateur, den sie sich angeln könnte. Und auch sonst ist kein Wunschkandidat in der Nähe.

Dass der Klempner aus "Gala" hier als bodenständiger Installateur auftritt, beweist letztlich doch, dass die "Kronen Zeitung" ein vollkommen unabhängiges österreichisches Blatt ist. Wer es liest, weiß mehr. "Ich bin froh, dass ich kurz vor meinem 40. Geburtstag eine zweite Chance bekam", sagt Teri in "Gala". Aber nur in der "Krone" erfährt man: Teri Hatcher wird jetzt auch noch ein Buch schreiben. Darüber, wie es ist, mit 40 noch eine Chance zu bekommen.

Und so ist es, wenn ein "Krone"-Leser eine Chance bekommt. Am Freitag, dem 16. September war groß auf Seite 1 ein Schnellbahn-Passagier abgebildet, versonnen ins Kleinformat blickend. Darunter der Text: Tausende Autofahrer boykottieren nun auf ihre Art die hierzulande immer höher werdenden Spritpreise. Der Boykotteur war seiner Zeit voraus. Die Ausgabe der "Krone", in der er las, war vom 31. Oktober. Vermutlich 2004. (DER STANDARD, Printausgabe, 24./25.9.2005)

Von Günter Traxler
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