Träumen unter freiem Himmel

9. März 2006, 14:09
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Es gibt kaum Unangenehmeres, als wach zu liegen, weil man friert und bibbert. Schlafsäcke im Test

Was gibt es Schöneres als eine Nacht unter freiem Himmel? Ob auf dem Berg, im Wald und auf der Heide oder auf Terrasse und Balkon – entscheidend für das Erlebnis ist das schützende Nest: der Schlafsack. Doch welcher? Es gibt Modelle, die wiegen 500 Gramm, andere sind drei Kilo schwer. Wir finden sie in Preislagen schon um gut 20 Euro, andere kosten 1000.

Was der Schlafsack "können" soll, ist klar: Nachts sollte er den Körper warm und trocken halten, tagsüber leicht sein und nicht viel Platz brauchen. So simpel die Aufgabenstellung, so vielfältig die Lösungsansätze der Hersteller: Es gibt unzählige Modelle, deren Unterschiede in Konstruktion, Füllung, Bezugsstoff, Schnitt und Ausstattungsdetails liegen. Außerdem gibt es Schlafsäcke für jeden Einsatzzweck: für die Hüttenwanderung und das Zelt, als Ersatzbett, für Gebirge und Flachland.

Da man das Wesentliche, nämlich das "Innenleben", nicht sieht, ist Schlafsackkauf immer auch Vertrauenssache. Über Grundlegendes aber sollte man selbst Bescheid wissen:

Mumie oder Decke: Ein optimales Gewicht- Wärme-Verhältnis vereint der körpernahe Mumienschlafsack. Der Deckenschlafsack ist komfortabler, jedoch für kühles Wetter weniger geeignet. Aufgezippt wird er zur Decke.

Füllkonstruktion: Jede Füllung, ob Kunstfaser oder Daune, kann ihren Zweck nur erfüllen, wenn sie möglichst gleichmäßig verteilt ist und nicht verrutscht. Je mehr Kammern, desto gleichmäßiger wird die Füllung verteilt – viele Kammern=mehr Gewicht=höherer Preis.

Nähte/Zippverschlüsse: Die Nähte und Verschlusssysteme sind die empfindlichen Stellen des Schlafsackes. Hier dringt Körperwärme nach außen. Wichtig: Zum Schlafen immer Haube und Socken anziehen, denn 80 Prozent des Wärmeverlustes gehen über den Kopf.

Material Außenbezug/Futter: Die äußere Hülle muss so dicht sein, dass Daunen oder Fasern sie nicht durchdringen können. Gleichzeitig sollte sie durchlässig sein, damit verdunstete Körperfeuchtigkeit (ca. ein Viertelliter pro Nacht) entweichen kann. Besonders hochwertig sind Bezüge aus Mikrofasergewebe. Der Futterstoff soll Feuchtigkeit aufsaugen und ableiten (wie Thermo-Unterwäsche).

Füllung: Ihre Aufgabe ist die Isolation. Isolation bedeutet Abtrennung der Körperwärme von der kühlen Außenluft. Daher kann kein Schlafsack wirklich "wärmen", er kann nur verhindern, dass die Wärme entweicht. – Daune oder Kunstfaser? Beide Materialien können gleich gut warm halten. Der Stoff mit der niedrigsten Wärmeleitung ist Luft. Eine gute Schlafsackfüllung muss daher vor allem viel Luft ent 2. Spalte halten. Um viel Luft zu umschließen und dennoch leicht zu sein, sollte die Füllung eine in Relation zum Gewicht möglichst hohe Dehnfähigkeit besitzen, das heißt ausgepackt schnell ein großes Volumen einnehmen. Hier ist gute Daune nach wie vor unübertroffen.

Temperatur-/Einsatzbereiche: Die Einteilung der Wärmeleistung wird auch als "Temperaturbereich" bezeichnet. Das Temperaturempfinden variiert von Mensch zu Mensch (Frauen frieren früher) und kann bis zu 15 Grad Differenz betragen. – Als "Komfortbereich" (KB) wird der empfohlene Einsatzbereich eines Schlafsackes definiert. Bis zu der jeweils genannten Außentemperatur kann der Körper genügend Energie erzeugen, um die Hauttemperatur zwischen 33,5 und 34,5 Grad C zu halten, was ein angenehmes Schlafklima bedeutet. Daraus folgt: je niedriger die Mindesttemperatur, desto "besser" für frostempfindliche Personen. – Der oft angeführte "Extrembereich" ist für Normalverbraucher nicht relevant und sollte auch kein Kaufargument sein.

Generell gilt: Kaufen Sie nur nach kundiger Beratung im Fachhandel. Schaffen Sie am besten zwei Modelle für unterschiedliche Einsatz-/Temperatur-Bereiche an. Gute Produkte, gut gepflegt (also nach jedem Gebrauch gelüftet und getrocknet!), halten "ewig".

Kriterien und Auswahl:

Beurteilt wurde in drei Preis-/Leistungskategorien: der Einsteiger-, der Mittel- und der Spitzenklasse. Handelsübliche Modelle wurden im 3. Spalte Praxiseinsatz (Schlafen unter freiem Himmel, im Zelt, bei Wetter/Wind/Regen) getestet. Bewertet wurden Liege-/Schlafkomfort, Wärmespeicherung sowie Gewicht, Packmaß und Preis der Schlafsäcke. – Alle Preise beziehen sich, wenn nicht anders angegeben, auf Intersport Eybl oder Northland.

Die Ergebnisse:

Einsteigerklasse:

Carinthia "Lite 850 L" – 1050 g, 110

Feuchtigkeitsgeschützter Mumien-Schlafsack. Tolle Konstruktion, feiner Wärmekragen, ergonomische Kapuze. KB: +7 Grad
7,3 Punkte

McKinley "X-Treme Light" – 800 g, 69

Kompakt-weicher Wanderschlafsack. Trocknet rapide. Effektive Isolation. Perfekter Packsack (wie bei allen McKinleys). KB: +11 Grad‑
7,2 Punkte

Northland "One Kilo Bag" – 1030 g, 23

Gute Basisausstattung mit Kopfpolster- und Geheimfach. Sehr robust (Außenhaut, Zippverschluss). Super Preis-Leistungs-Verhältnis. KB: +10 Grad.
7,1 Punkte

McKinley "Kodiak Ultra Light" – 600 g, 79

Extrem Packraum sparendes Modell, leicht, sehr atmungsaktiv. Der "Liegekomfort" ist‑ allerdings höchst spartanisch. KB: +14‑
7,1 Punkte

McKinley "Traveller Light" – 800 g, 29

Basismodell, leicht, aber sehr dünn. Ideal als wärmender Schutz. KB: +15 Grad. Wie viele andere zum Aneinanderzippen.
7,0 Punkte

Mittelklasse:

Vaude "Kiowa Extreme 220" – 1420 g, 125

Perfekter Allrounder. Atmungsaktives Innengewebe. Für Kälteempfindliche ein "Superbett". KB: –6 Grad.
8,0 Punkte

Ajungilak "Kompakt 195" – 1670 g, 169

Tolle Wärmeleistung, feine seidige Schlafumgebung, hoher Wohlfühlfaktor, stabile, nicht verrutschende Füllung, daher: bester Schlafkomfort. Ideales Wärme-Gewicht-Verhältnis. KB: –8 Grad.
7,9 Punkte

Ajungilak "Igloo Air Comfort" – 1960 g, 129

Voluminöser "Viel-Platz-Sack". Konstruktion und Finish wie beim Modell "Kompakt 195". Perfekte Reißverschlussabdeckung (Wärme dringt nicht nach außen),winddichtes Außengewebe. KB: –6 Grad.
7,9 Punkte

Northland "Narvic 3 D" – 2050 g, 125

Kunstfaserschlafsack. Etwas enger Mumien- Schnitt. Reißfest, robust, Schmutz und Wasser abweisend. Innen weich. Recht glatte Außenhaut, gleitet daher leicht von der Isoliermatte. Wirkt eher "kühl". KB: +3 Grad
7,3 Punkte

Spitzenklasse:

Gärtner "Tasiilaq R 750" – 1550 g, 500

(1060 Wien, Barnabiteng. 7, Tel: (01) 587 91 89

Extrem festes, geräumiges Top-Daunenmodell. Super Wasser abweisend, kuscheliges Innenfutter. Perfektes Finish. Hochgebirgserprobt bis –25 Grad. Die Eigenentwicklung der "Daunen-Institution" Gärtner ist state of the art. In verschiedenen Breiten und Größen lieferbar.‑ KB: –21 Grad 9,3 Punkte Carinthia "ECC Line 1000 M" – 1600 g, 299

Daunen-Universalschlafsack in perfekter Ausführung. Drei Größen. Feuchtigkeitsstabil und angenehm weich. KB: –19 Grad. Überzeugend in Preis & Leistung.
9,0 Punkte

Northland "Icebear 1200" – 1980 g, 299

Strapazierfähiger Daunen-Allrounder. Reißfest, schnell trocknend. KB: –10 Grad. Hochqualitativ zum vernünftigen Preis.
9,0 Punkte

(DER STANDARD, Printausgabe vom 24./25.9.2009)

Hannes Doblhofer hat mobile Schlafstätten getestet.
  • Artikelbild
    foto:epa/luciano del castillo
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