Eine "kleine Tanzshow" macht noch keinen Branchenboom

12. Oktober 2005, 14:40
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Ab Freitga bittet der ORF zum Tanz - Reichen die "Dancing Stars" Rett, Rapp und Co für einen Trend? Ein Rundruf ergab: Österreichs Tanzlehrer sind noch eher skeptisch

Am Beginn stehen "Langsamer Walzer" und "Cha-Cha-Cha": Ab Freitag Abend lässt der ORF Kiesbauer, Polster, Rett, Rapp und Konsorten um die Wette und um hohe Quoten tanzen.

Drei Staffeln in Großbritannien

Die Hoffnung auf ein Millionenpublikum kommt nicht von ungefähr, wie Erfahrungswerte zeigen: Tanzshow-Erfinder BBC hält in Großbritannien bereits bei drei Staffeln und zahlreichen Ablegern, etwa mit Afro- oder Eistanz. In Australien, Spanien und den USA ist die Tanzerei mindestens ebenso beliebt. Bei ABC schauten bis zu 22 Millionen.

Hoffnungsträger sind die Promis der "Dancing Stars" aber auch anderswo: Die Tanzerei gehört nicht zur Lieblingsbeschäftigung von Frau und ganz besonders von Herrn Österreicher, weshalb die heimischen Tanzschulen bisweilen einen schweren Stand haben. "Lösen die tanzenden Stars einen Trend aus?", fragte DER STANDARD Ausbildner im ganzen Land. Vorweg: Fast allen sind die "Dancing Stars" ein Begriff, wenige rechnen mit einem Branchenboom.

Für den Maturaball

Nur "weil der ORF eine kleine Tanzshow veranstaltet", sei noch lange nicht mit einem Ansturm zu rechnen, glaubt etwa Tanzlehrerin Helene Brugger aus Waidring in Tirol. Von der Show hat sie "durch Bekannte" gehört. Wer sich hier zu Lande aufs Parkett wage, habe meist fixe Absichten: Als Vorbereitung auf den Maturaball im Speziellen oder die Ballsaison im Allgemeinen. Tanzen als Freizeitbeschäftigung? So schätzt Brugger die Österreicher nicht ein.

"Imagewandel"

Auf einen "Imagewandel" hofft deshalb Klaus Höllbacher, Tanzlehrer in Graz. Den großen Ansturm erwartet er freilich nicht. Vielleicht werde "die Hemmschwelle niedriger", hofft Juanita Kemmer aus Dornbirn. "Die Leute reden sicher darüber", meint sie. Für einen Tanzboom reiche das allerdings kaum.

Aufschwung für britische Tanzszene

Niki Seifert ist zuversichtlicher. Von Kollegen hörte der Salzburger, "dass die britische Tanzszene einen gewissen Aufschwung erlebt hat". Seiferts Kunden wüssten "schon seit Wochen" von der Show. Für sie hat er in seiner Tanzschule eine Leinwand angebracht - heute Abend schauen sie gemeinsam.

"Warum nicht ich auch?"

Genau wie Wolfgang Wagner, Betreiber einer Tanzschule am Wiener Fleischmarkt. Wagner ist Verbandspräsident der Tanzlehrer Österreichs und sieht in den Prominenten Zugpferde für Tanzmuffel: "Wer beobachtet, dass sogar ein Toni Polster tanzen lernen kann, sagt sich vielleicht: Warum nicht ich auch?"

Lieber "Menschen von der Straße"

Genau daran stößt sich der Klagenfurter Heinz Wankmüller: Er würde lieber "Menschen von der Straße" zuschauen und auf Berühmtheiten verzichten. Der Branche helfe es aber in jedem Fall: "Weil man wieder aufs Tanzen aufmerksam gemacht wird."

"Die Idee ist super"

Heinz Schmidinger eröffnet seine Schule in Walding, nördlich von Linz, am 30. September. "Die Idee ist super", sagt er und plädiert für tanzende Stars als Dauereinrichtung. Schmidinger fürchtet, dass der ORF nur kurz seine Aufmerksamkeit dem Tanzboden widmet, und verweist auf den Tanzsport: "Der ORF vernachlässigt ihn komplett." Und auch er wünscht sich ein gleichwertiges Format "für die einfachen Leute".

Foto: ORF/Hans Leitner

Lust auf Fortsetzung also schon vor Beginn. Jedenfalls bei Tanzlehrern. (Doris Priesching/DER STANDARD, Printausgabe, 23.9.2005)

  • Balazs Ekker, Arabella Kiesbauer, Michaela Heintzinger, Toni Polster.
    foto: orf/hans leitner

    Balazs Ekker, Arabella Kiesbauer, Michaela Heintzinger, Toni Polster.

  • Marika Lichter, Andreas Kainz, Christina Auer, Stefano Bernardin.
    foto: orf/hans leitner

    Marika Lichter, Andreas Kainz, Christina Auer, Stefano Bernardin.

  • Manfred Zehender, Barbara Rett, Kelly Kainz, Mat Schuh.
    foto: orf

    Manfred Zehender, Barbara Rett, Kelly Kainz, Mat Schuh.

  • Julia Polai, Peter Rapp, Alexander Kreissl, Patricia Kaiser.
    foto: orf

    Julia Polai, Peter Rapp, Alexander Kreissl, Patricia Kaiser.

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