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Foto: G. Wasserbauer
Durchaus unbegründet: Schon damals bekam man hier neben wunderbar melancholischen Liveschnulzen und herzlichem Service auch sehr anständige "zakuski" serviert - jene kalten und warmen Vorspeisen, die den vernunftfreien Wodka-Konsum erheblich bekömmlicher gestalten.
Seit ein paar Wochen nun ist das "Stolichnyi" kaum wiederzuerkennen. Statt Neon leuchten güldene Luster und Appliken, golden wie ein Eckzahn ist das ganze Lokal, und von der Wand grüßen Dr. Schiwago und Lara (oder ähnliche Klischee-Statisten) aus einem Gemälde, das ganz sicher mindestens ein Fresko ist. Wirt Eli Raffael hat renovieren lassen, und es ist richtig schön geworden. Deshalb geht es an Wochenenden, wenn bei russischer Livemusik das Tanzbein geschwungen wird, ziemlich laut und lustig zu. Am besten kommt man zu viert oder sechst und bestellt die "zakuski" im Voraus. Dann warten die Vorspeisen schon am feierlich gedeckten Tisch, und es muss bloß noch Wodka und das (gar nicht üble) russische Bier geordert werden.
"Hering im Mantel" ist ein geschichteter Salat mit Kartoffeln, Matjes, Frühlingszwiebeln, roten Rüben und Mayonnaise, richtig köstlich. Die anderen "zakuski" geraten durchweg ordentlich, der "Spinat auf kaukasische Art" mit Zwiebeln, Nüssen, Kräutern und Granatapfelkernen aber ist schlicht großartig - so frisch und knackig und harmonisch kombiniert, dass eine Portion einfach zu wenig ist.
Bei den warmen Speisen konzentriert man sich am besten auf "syrniki", "chatschapuri", "pelmeni", "chinkali" und "wareniki" - lauter nette Teigtaschen und Fladen, die mit Fleisch, Kartoffeln, Topfen oder Käse gefüllt sind und wesentlich mehr Spaß machen als der etwas fade Borschtsch oder der trockene Schaschlik-Spieß. Die Blinis mit Keta-Kaviar sind dünn wie Palatschinken, merkwürdig blass und reichlich fischig - keine Empfehlung.
Solange ein paar Salate und, ganz wichtig, selbst eingelegtes Sauergemüse ("kapusto") auf dem Tisch stehen, solange noch ein Rest von Wodka in der Flasche ist, darf man sich hier als Teil der Familie fühlen. Spätestens wenn die ersten melancholischen Schlager intoniert und die Tische zur Seite gerückt werden, hängt Verbrüderung in der Luft wie eine fein gewürzte Wodkafahne. (Severin Corti/Der Standard/rondo/23/9/2005)
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ich hab mir wirklich sehr oft in russland grosse mühe gegeben, dem - in russland gebrauten - bier etwas nicht übles abzugewinnen, doch: fehlanzeige ! in russland gebautes bier war und ist einfach immer nur übel und zwar sehr - ich kenne zwar das beschriebene lokal nicht, befürchte aber auch schon aufgrund des standorts zuviele der neureichen grosskotze dort und werde es weiter so wie in russland handhaben: es geht nichts über eine anständige "tusowka" in einer nicht allzu grossen, privaten küche mit einigen nicht ganz so reichen dafür aber umso liebenswerteren ex-sowjetbürgern
ich war vor ein paar jahren öfters dort, mit einem russischen freund - meistens eine grössere runde, das war noch während der neonlicht-romantik und resopal phase. ich kann mich noch an die livemusik und russische lieder erinnern.
der artikel hat mir lust gemacht, wieder mal vorbeizuschauen aber ich kann mir kaum vorstellen dass ich wie damals "fett wie die russische erde" aus einem güldenen kitschtempel nach einer durchzechten nacht rauswanke ;) das war im alten ambiente fast unvermeidlich
wird sich noch zeigen...
empfiehlt der autor hier ein lokal in dem man, ein paar "nette teigtaschen" ausgenommen, zwar scheusslich isst, die skurrile stimmung aber irgendwie super ist.
toll.
entschuldigung bitte, aber wen interessiert so eine lokalkritik?
in manche lokale geht man eben zum reden, tanzen, trinken, musikhoeren, menschen anschauen, kultur kennenlernen... also zum leben und nicht nur zur nahrungsaufnahme. die meisten lokale in wien sind ohnehin todlangweilig. da tut so ein kleiner farbtupfer gut.
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