Die letzte Botox-Party war der Hammer

27. Oktober 2005, 22:54
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... und diesmal hatte ich eine Krokoledertasche dabei ...

Die letzte Botox-Party war echt der Hammer. Diesmal hatte ich eine Krokoledertasche dabei, weil ich endlich einmal sehen wollte, wie dieser Botox-Bonze versagt. Hier, hab ich ihm die Krokoleder-Handtasche ins Gesicht gedrückt, wenn Sie die wieder glattkriegen, also so glatt wie Ziegennappa, dann kommt sogar Jeannine S. zu ihren Partys. Leider konnte er diese Herausforderung nicht sofort annehmen, weil er erst die Flyer-Verteiler abwimmeln musste, die für Haloperidol-Partys und die Weight Watchers warben. Ich bin ja kein wirklicher Freund von frauenüberlastigen Veranstaltungen.

Schon als 3-Jährige wollte ich lieber mit Buben spielen. Kaulquappen fangen und Baumhäuser bauen und heimlich Zigarettenrauchen war mir immer lieber als Puppenhaare kämmen. So hat es auch sehr lange gedauert, bis ich so ein richtiger Botox-Party-Tiger wurde."Noch eine Havanna?", fragt mich eine glatte End-Siebzigerin. "Danke, ich warte noch auf die nächste Gin-Tonic-Runde. . ."

Ich hatte ja solche Vorurteile gegen Botox-Parties. Ich dachte, die Frauen stünden da in einer langen Reihe vor dem Zampano mit der Spritze, unbehaglich schweigend, die Nadeln würden nicht desinfiziert, und außerdem würde minderwertiger Stoff verabreicht. "Oh, Sie auch hier?", würde es unermüdlich heißen, und jeder würde taxiert, ob es denn überhaupt noch einen Sinn hätte, sich in die geschlossene Phalanx der Schönheitswütigen einzureihen.

Unter den entsprechenden Aufnahmeritualen (Psychologischer Fragebogen, Wellness-Experience, etc). befand sich auch ein Handtaschen-Check. Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, wie sehr sich die Handtaschen-Inkompetenz ausbreitet? In der Ära "Sex & the City" waren High Heels das Status-Symbol schlechthin. Jetzt, wo wir "Desperate Housewives" -Zeiten haben, geht niemand mehr ohne eine hässliche Designer-Handtasche aus dem Haus. Und was für ein Schmock da vom Ellenbogen hängt: Müsterchen, Patchwork, Federbüschel - also, Queen Elizabeth würde sich mit so was nicht auf Staatsbesuch trauen. Wie gut, dass ich mich nicht von meinem Billa-Sackerl abbringen lasse. Da wird wenigstens nicht jede Saison das Müsterchen geändert, wie bei Louis Vuitton.

Ich botox mich jetzt in die erste Reihe meiner Botox-Party, weil da gibt's grad einen Tumult: Ja, die Marketingleiterin von La Prairie bedroht grade den Hautarzt M., weil er meint, diese teuren Hautcremes seien alle für die Katz. Die Prairieristin war mit einem blauen Prada-Handtäschchen ausgestattet, Fransen und Pfauenfedernaugen aufgesteppt, aus dem sie flugs ihren Reisepass zog. Tatsächlich, sie war hundertvier. Ich hätte sie auf höchstens 85 geschätzt.

Wir ziehen jetzt weiter zur Pilates-Party, und dann vielleicht noch zur Entgiftungs-Party.

Ihre Cosima Reif, Zufallskolumnistin
Zufall@derstandard.at
(Der Standard/rondo/23/9/2005)

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