Das "Kons" als Uni gegen den "Geniekult"

8. November 2005, 10:37
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Das Konservatorium der Stadt Wien wurde als Privatuniversität ausgegliedert und nahm diese Woche seinen offiziellen Betrieb auf

Wien - Zugegeben: Bei Anna Netrebko fragt vor einem Engagement niemand, wo sie eigentlich ihren Abschluss gemacht habe. Aber genau das hatte Ranko Markovic auch überhaupt nicht im Sinn, als er gemeinsam mit Gottfried Eisl den Umbau des Wiener Konservatoriums zu einer Privatuniversität vorbereitete. Ganz im Gegenteil. Markovic sieht sich sogar "im Kampf gegen den Geniekult des Einzelnen", der den musikalischen Lehrbetrieb beherrsche und wirbt vielmehr für ein "teamorientiertes, zeitgemäßes Kunstverständnis".

Diese Woche hat das von der Stadt ausgelagerte "Konservatorium Wien Privatuniversität" seinen Betrieb aufgenommen. Am Mittwoch wurde das auch physisch erneuerte Gebäude in der Wiener Johannesgasse von Vizebürgermeisterin Grete Laska (SP) präsentiert: Das Wiener Konservatorium sei nun neben der Anton-Bruckner-Universität in Linz die zweite private Kunstuniversität in Österreich.

Die Genehmigung durch das Ministerium wurde für die nächsten fünf Jahre erteilt. Die Studenten des Konservatoriums werden künftig mit den akademischen Titeln Bachelor und Master abschließen - diese Gleichstellung mit anderen Universitäten möge zwar für den rein künstlerischen Erfolg wenig relevant sein, so Laska am Mittwoch. Sie "bietet aber denjenigen, die einen Beruf in pädagogischen oder kunstnahen Bereichen - wie im Kulturmanagement oder in Musikverlagen - suchen, einen entscheidenden Vorteil".

Keine Professoren

Wobei Markovic vollkommen neue Strukturen für den Studienbetrieb beschreibt: Es seien im Haus "alle akademischen Hierarchien abgebaut" worden, es gebe nun "weder Professoren noch Rektoren" und "vor dem Gehaltsschema sind alle gleich". Weiters hat sich die jetzige Leitung der "Verschränkung der Künste" verschrieben - es werde beispielsweise keine reine Klavierausbildung angeboten, "sondern ein Studiengang Tasteninstrumente". Das Ziel lautet dabei: "Wir wollen eine Qualifikation anbieten, die europaweit anerkannt wird."

Gleichzeitig seien aber auch die Anforderungen an die Studenten gestiegen. Es gibt nun die Verpflichtung, eine wissenschaftliche Arbeit zum Abschluss zu verfassen - und die solle kein Proformawerk sein und "nicht das Liebesleben der Maikäfer" behandeln.

Instrumenten-Kapital

Das Loblied zur betriebswirtschaftlichen Ausgliederung stimmte der kaufmännische Leiter Gottfried Eisl an: Von großem Vorteil sei, dass man jetzt nicht mehr im Jahres- sondern im Fünfjahresrhythmus planen könne. Auch seien die Finanzen nicht gedeckelt worden: "Es wurde der bisherige Stand abgebildet, der künftig regelmäßig valorisiert wird." Auch sei von der Stadt Kapital in die Ausgliederung mitgegeben worden - wie etwa "das Gebäude und der Instrumentenpark". Derzeit werden 96,7 Prozent der Kosten durch die Stadt Wien finanziert - für 1996 stehen 14 Millionen Euro zur Verfügung - der Rest kommt über Studiengebühren und "sonstige Erträge" herein. Wobei die Studiengebühren mit 200 Euro pro Semester bei 40 bis 45 Prozent von vergleichbaren Kunstunis lägen.

All dies soll nun dazu dienen, den Kunstbegriff Rankovic' umzusetzen - weg vom einsam im Kammerl übenden Genie und hin zum fächerübergreifenden Unterricht mit interdisziplinären Projekten.

Dabei sollen auch Kooperationen mit anderen Institutionen hilfreich sein: So wird ab dem 17. Dezember im Wiener Schauspielhaus der "Kaukasische Kreidekreis" aufgeführt, bei dem Schauspiel- und Musikstudenten des Konservatoriums mitwirken. (DER STANDARD, Printausgabe, 22.9.2005)

Von Roman David-Freihsl

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