"Bezeichnend für das demokratische Verständnis des Rektors"

21. Dezember 2005, 14:26
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Weiterhin Kritik an Plänen von Rektor Dürrstein, Teile der Boku nach Tulln abzusiedeln - Unirat soll noch am Mittwoch entscheiden

In die Debatte um den geplanten Umzug von Teilen der Universität für Bodenkultur (BoKu) nach Tulln kommt Bewegung: Noch am Mittwoch soll der Unirat entscheiden, Rektor Hubert Dürrstein hat dem Betriebsrat, den Mitgliedern des Senats sowie dem Unirat ein Konzept vorgelegt, in dem die Pläne konkretisiert werden.

Für den Betriebsrat ist dies aber nach wie vor zu wenig: "Es ist unmöglich, in der Kürze der Planung - die Diskussion geht ja erst seit ein paar Monaten - alle Vor- und Nachteile abzuschätzen", kritisiert eine Vertreterin des Betriebsrats im Gespräch mit derStandard.at/Uni.

Kritik an Informationspolitik des Rektors

Auch auf Seiten der Studierenden wird bemängelt, dass es noch keinen ausreichenden Willensbildungsprozess innerhalb der BoKu gegeben habe: "Dass der Gemeinderat von Tulln bereits mehr Informationen hat als der Senat, ist bezeichnend für das demokratische Verständnis des Rektorats und des Rektors", kritisiert Jürgen Bittner, Mitglied der studentischen Kurie, im derStandard.at/ Uni-Gespräch.

Ein bisschen mehr Klarheit bringt das Konzept in der Frage, welche Bereiche nach Tulln abwandern könnten - allerdings nicht zur Zufriedenheit der Betroffenen, denn von einem Umzug nach Niederösterreich betroffen wären demnach die Masterstudien. "Vom Standpunkt der forschungsgeleiteten Lehre gesehen ist das negativ", so Bittner. "Auch ist dann kein Austausch zwischen den verschiedenen Studienrichtungen sowie zwischen Höher- und Niedrigersemestrigen mehr möglich", befürchtet der Studierendenvertreter.

"In vier Jahren"

Rektor Dürrstein versucht zu beschwichtigen: "Wir müssen realistisch sein, es geht hier um Entwicklungen, die frühestens in vier Jahren stattfinden", betont er. Auch die Sorge Bittners, die jetzigen StudienanfängerInnen könnten mitten im Studium zu einem Standortwechsel gezwungen werden, teilt er nicht: "Wir haben unsere Studien auf Bakk- und Masterstudien umgestellt, die drei bis vier Jahre dauern. Ich glaube, das sagt schon alles."

Ausstiegsklausel gefordert

Mit dieser Zusicherung aber will sich der Betriebsrat nicht zufrieden geben. "Das mag schon sein, aber der Unirat trifft noch diese Woche die grundsätztliche Entscheidung, ob es gemacht wird oder nicht", meint die Betriebsrätin. Dafür aber seien noch viel zu viele Fragen unbeantwortet. Vor allem ein Wunsch des Betriebsrats bleibe nach wie vor unerfüllt, nämlich die Verankerung einer Ausstiegsklausel im Vertrag mit dem Land Niederösterreich. "Dies hat Rektor Dürrstein bei einer Informationsveranstaltung allerdings zugesichert", so die Betriebsrätin.

ÖH, TüWi und Fahrtkosten

Aus Sicht der Studierenden gibt es naturgemäß noch andere offene Fragen, etwa was mit dem Sitz der ÖH sowie dem darin untergebrachten Türkenwirt - besser als TüWi bekannt - geschehen wird. Das Gebäude, in dem die beiden Institutionen untergebracht sind, soll nämlich aufgegeben werden: "Bis dato wurde uns für das TüWi kein Ersatz angeboten und es ist auch kein Wille erkennbar, Ersatz zu suchen", kritisiert Bittner.

Auch für die durch die Anreise nach Tulln zusätzlich entstehenden Fahrtkosten sei noch keine Lösung absehbar. "Wir haben hier monatelang beim Rektor urgiert, aber es gibt immer noch keine Einigung", so der Studierendenvertreter. Rektor Dürrstein will dazu keinen Kommentar abgeben, betont aber: "Wir sind um eine Lösung im Stinne der Studierenden bemüht."

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