Zappenduster - Fernsehen verboten!

4. November 2005, 16:23
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Arte hat das mit elf Familien versucht - Anderweitig "abschaltende" Abendmenschen können zuschauen ...

Entschlackerinnen und Fastenfreunde wissen um den Dreh: Genussmittel absetzen, sich nach einer kurzen Kurkrise erfangen, um nach der Auszeit mit geschärften Sinnen Fleisch und Wein neu zuzusprechen. Was fürs Zechen gilt, mag auch fürs Zappen gut sein: Arte hat das mit elf Familien in einem Pariser Vorort versucht, und anderweitig "abschaltende" Abendmenschen können zuschauen, wenn es heißt: Fernsehen verboten! (20.15, bis Fr.)

In der ersten Episode flitzte das Fernsehteam von Wohnblock zu Wohnblock, um TV-Geräte einzukassieren. Ein paar Türen blieben verschlossen: Manch' Ex- Freiwilliger hatte sich's anders überlegt. Ein gutes Dutzend Apparate kommt zusammen, nicht wenige Haushalte nennen Flimmerkiste im Plural ihr eigen.

In Folge zwei wird schon musiziert und Tischbillard gespielt. Und die Nichtabstinenten schildern den Selbstversuchlern das versäumte Programm.

Bereits vor zwanzig Jahren ist das Experiment einmonatigen TV-Verzichts erprobt worden, ins Jahrzehnt von Neil Postman hat es auch gepasst. In der Ära von Multimedia-PCs und Videohandys ist die "Wenn der Postman zweimal klingelt"-Aktion zwar sympathisch, aber nicht eben aufregend. Da tut es allemal besser, im TV-Gerät der Familie Simpson bei "Itchy und Scratchy" mitzuschauen. Auch für den kritischen Fernseher hat das mehr Potenzial als das zur Schau gestellte Zappenduster. (pen/DER STANDARD; Printausgabe, 22.9.2005)

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