Biografien und Einreichung für den Wettbewerb

18. Oktober 2005, 12:49
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Thomas Schoiswohl mit "Matz AB!", einer erklärenden Kampagne zu Dreck & Sauberkeit, die von 23. bis 25. September stattfindet

Der Künstler über das für "Utopie : Freiheit" eingereichten Projekt "MATZ AB!":

 

Am verlängerten Wochenende 23. bis 25. September 2005 kündigt sich der "kunstplatz matzleinsdorferplatz" an. Versprechen tut er "eine tiefer gehende Auseinandersetzung mit Themen von Schmutz, Schund, Dreck oder Sauberkeit im Kontext von österreichischer Politik". Passieren soll das mittels baustelle + panels + text + ausstellung + lärm + film. Ein Versuch auch politische und soziale Bedingungen - Gewalt und Machtverhältnisse - diskutierbar zu machen: Das Diffuse des matzleinsdorferplatz sollte mensch kritisch im Auge behalten.

In einem Jahr, in dem in Wien viel über Räume, über Verlust und Aneignung von sogenannten Freiräumen, nachgedacht werden musste, liegt der Fokus im matzleinsdorferplatz weniger auf Besetzung oder Aneignung, denn auf einem spielerischen Aufziehen einer erklärenden Kampagne zu Dreck&Sauberkeit, einer "dirty-campaign", einer ordentlichen Schmutzkübelkampagne also. Dass dabei mit ihrem Kunstplatz auch die Kunst ihren Teil sich abholen darf, ist glatt wie klar, wie das Projekt Aufwertungspolitik und Niemandslandgerede in Frage stellen sollte.

Wenn es weniger um tatsächlich Forderungen - warum je fordern? - und weniger um tatsächliche Raumbesetzung geht, dann bleibt neben der Umverteilung von Dreck noch die baustelle. In den drei Tagen am matzleinsdorferplatz wird gebaut und eigene ernste Bautätigkeit - mit viel Beton - eingefordert: baue, wo du stehst!

Zudem fungieren unter dem Titel der baustelle eher performative Einzelaktionen, die am und um den matzleinsdorferplatz helfen werden Bereiche von Sauberkeit und Dreck, von Innenstadtvertreibung oder von Überwachungspolitik zu erklären.

Freitags und samstags Abends sprechen am matzleinsdorferplatz insgesamt sieben ReferentInnen in kurzen Beiträgen von Verbrechen&Architektur, Überwachung, Graffiti, Repression, kritischer Kunst, feministischer Raumaneignung oder von Rassismus.

Und zur Verortung: Der matzleinsdorferplatz ist eines der 23 im Rahmen des Wettbewerbs utopie:freiheit realisierten Projekte. Der Wettbewerb hat sich als Ziel gesteckt, den lokalpatriotischen Bedeutungsüberhang des Wörtchens "Freiheit" im Jahr 2005 aufzubrechen, um einen Raum abseits "staatlich verordneter Gedenk- und Repräsentationskultur" zu öffnen. Zudem sollen Positionen "jenseits der üblichen Museumskultur" sichtbar gemacht werden. Zu sehen wären die Projekte dann nach dem 18. Oktober auch in der "Kunsthalle Exnergasse". Pünktlich zur Wiener Wahl.

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