Neue Personalreserve für Seibersdorf

7. November 2005, 14:18
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Ministerium hat mit TU-Professor Siegfried Selberherr einen Wissenschaftschef in petto

Wien - Die im Infrastrukturministerium gewälzten Umbaupläne für das Forschungszentrum Seibersdorf sind weitreichender als bisher bekannt. Demnach soll nicht nur die 2001 errichtete Holding zurückgebaut, mit ihren Töchtern verschmolzen und ein dritter Geschäftsführer für Marketing installiert werden - es gibt auch einen Personalplan für die Chefetage.

Letzteres nicht nur für die Nachfolge von Helmut Krünes als Finanzchef, sondern auch für den (Zu)fall, dass es dem wissenschaftlichen Leiter Erich Gornik zu bunt wird und er von sich aus geht. Der Chefsessel wäre dann frei für TU-Professor Siegfried Selberherr, der im Infrastrukturministerium protegiert wird. An Selberherr scheiden sich freilich die Geister: Er gilt als exzellenter Elektrotechniker (TU Wien), kennt die Austrian Research Centers (ARC) als Mitglied des wissenschaftlichen Beirats, musste von TU-Rektor Peter Skalicky allerdings im Mai - nach einem Aufstand der Professoren - als Dekan abberufen werden.

Sehr groß dürften Selberherrs Chancen nach dem Aufruhr über die neuerlichen Umstrukturierungspläne an Österreichs größtem außeruniversitären Forschungszentrum aber nicht (mehr) sein. Denn ARC-Hälfteeigentümer Industrie lässt sich Gornik nicht hinausschießen.

"Da wollen offensichtlich Spitzenbeamte Unternehmenspolitik machen", winkt man auch im Büro von Forschungsstaatssekretär Eduard Mainoni ab. Es werde sicher kein Geschäftsführerposten ausgeschrieben, ehe es mit der Industrie eine Einigung über die Seibersdorf-Strategie gibt, lässt Mainoni ausrichten. Der wissenschaftliche Leiter stehe zudem nicht zur Disposition.

Zu Wort gemeldet hat sich nach einer Woche Seibersdorf-Turbulenzen erstmals Vizekanzler Hubert Gorbach: "Die Medienberichterstattung ist zum Teil unrichtig und sie schadet den Austrian Research Centers." Im Sinne der Optimierung der eingesetzten öffentlichen Mittel sei die MZSG-Analyse sinnvoll, Verbesserungen seien nötig. (ung, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21.9.2005)

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