Treffpunkt Kultur: Jenseits von irgendwo

4. November 2005, 16:23
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Vielleicht ist in Sachen Kultur am Küniglberg schon alles egal - Hauptsache, man füllt die Sendezeit ...

Eine weitere Bankrotterklärung in Sachen kultureller Prioritäten lieferte am Montag der "Treffpunkt Kultur" mit ausführlichster Berichterstattung zum Spielfilm "Die weiße Massai", dessen postkolonialistischer Kitsch in den letzten Tagen schon einige herbe Verrisse geerntet hat. Egal, der ORF kriegte massig Bild- und Tonmaterial vom Dreh, und Regisseurin Hermine Huntgeburth sowie die Autorin der Buchvorlage, Corinne Hofmann, kamen ist Studio. Es wurde also PR geredet und weichgespült, was das Zeug hielt - vermutlich, weil sonst in der Welt nichts Wichtigeres und Löblicheres passiert.

Sehr dubios war auch ein Talk mit Karl Merkatz, der irgendwann einmal andeutete, dass er schon eine Meinung zu den "Bockerer"-Filmen habe, von denen er und Franz Antel sich mittlerweile satte drei Stück genehmigt haben. Leider wurde er von Erna Cuesta nach dieser seiner Meinung, die uns doch interessiert hätte, nicht eingehender befragt. Und jetzt mussten alle mit dem ORF die Meinung teilen, dass "Der Bockerer" mindestens ebenso sehr eine Glanzleistung ist wie "Ein echter Wiener geht nicht unter".

Es steht zu hoffen, dass die ORF-Filmjournalistin Gabriele Flossmann, die - wie man hört - demnächst für den "Treffpunkt" verantwortlich sein wird (etat.at berichtete), mit diesem Mumpitz ein Ende macht. Oder war dies bereits ihr erster Versuch, zukünftige Qualitätsmaßstäbe zu konturieren? Man ist angesichts solcher Desaster, gelinde gesagt, ratlos. Vielleicht ist in Sachen Kultur am Küniglberg schon alles egal. Hauptsache, man füllt die Sendezeit. (cp/DER STANDARD, Printausgabe, 21.9.2005)

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