Ein "Schulbuch" mit Biss

16. März 2006, 12:20
posten

400 Autoren tippten an einer Vampirgeschichte

Wien - Seit der Pisa-Studie ist klar: Österreichs Schüler haben Nachholbedarf in Lesen und Schreiben. Um die Freude an Buchstaben wieder zu erwecken, starteten die Wiener Kinderfreunde 2004 die Initiative "Die coolsten Abenteuer sind im Buch". Neuestes Projekt: "Nicht mit mir, Herr Vampir!", das nicht nur für, sondern auch von ganzen 400 Schülern geschrieben wurde.

Kinderbuchautor und Herausgeber Christoph Mauz verfasste das erste Kapitel des 95-Seiten-"Novelle", alles Weitere tippten Schülerhände.

Anfangs sollte das Schriftstück noch "Mein Papa von einem anderen Stern" heißen, aber die für das zweite Kapitel zuständige Klasse war mit der Themenwahl unzufrieden.

Wieder ein Dracula

Man einigte sich auf die Geschichte eines zwölfjährigen Buben, Felix, den eine magische DVD in ein Vampirschloss auf dem Planeten Melana hext. Dort regiert statt des gütigen Königs Taragon nun ein böser, sehr kreativ Dracula getaufter Blutsauger, der nach Felix' Leben trachtet. Als wäre dies nicht genug, hat Felix noch zig Abenteuer mit seinem Vater, Freunden und Zauberwesen zu bestehen.

Von der Idee erfuhr Ernestine Weisshappel - sie ist Deutschlehrerin an der privaten Albertus Magnus Kooperativen Mittelschule im 18. Wiener Bezirk - online und bewarb sich erfolgreich mit ihrer zweiten Klasse um ein Kapitel. Von über 30 Schulen wurden 21 Klassen ausgewählt.

An einen fixen Zeitplan gebunden, blieb ihrer Klasse eine knappe Woche Zeit, den Textteil zu vollenden.

Abseits der Korrektur von Stil- und Grammatik-Fauxpas ließ sie ihre Schüler den Text selbst verfassen. "Es ist ihr Buch und nicht meines. Wenn ich mich zu sehr einmische, ist es mein Werk", sagt Weisshappel zum SCHÜLERSTANDARD, und das wäre "nicht Sinn des Projekts gewesen".

Fast alle Schüler waren mit der Idee und Ausführung zufrieden, doch es gab Kritik: der Zeitdruck und der begrenzte Platz zum Schreiben. "Warum dürfen wir nicht mehr als ein Kapitel schreiben?", klagt Stephan Rockenbauer (12), dem das Schreiben ohne Notendruck aber "Spaß macht".

Trotz deutlicher Stil- und Handlungssprünge, aufgrund der Autorenvielfalt, die sich kaum verbergen ließen, ist das Kinderbüchlein gut lesbar. "Nicht mit mir, Herr Vampir!" (DER STANDARD-Printausgabe, 20.9.2005)

Von Agnes Langer
Share if you care.