Vermottete Moralinkomödie

10. Oktober 2005, 22:18
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"Die Physiker" im republic des Landestheaters Salzburg

Man kann ihn schon nicht mehr sehen, diesen moralinsauren Zeigefinger, der Wissenschafter zum edlen Fortschrittsverzicht mahnt. Seit der Uraufführung der Pechschwarzkomödie "Die Physiker" sind gute vierzig Jahre vergangen - und hätte Friedrich Dürrenmatt damals geahnt, was die ultrabösen biochemischen Forscherbrüder heute ausbrüten, wäre er an den Mitteln schrulliger Komödiantik schier verzweifelt. Keine Sorge ums Ablaufdatum der Trio-infernal-Geschichte um scheinbar verrückte historische Rollenspieler in der Nobel-Klapse einer machtbesessenen Irrenärztin macht sich das Salzburger Landestheater, das einem mäßig amüsierten Publikum im "republic" einen aufgewärmten Karikaturen-Eintopf vorsetzt.

Regisseur Frank Hellmund rührt eine zähe Brühe aus Newton- und Einstein-Abziehbildern an und lässt Klischees des schweizerischen und anderen Humors langatmig vertröpfeln. Leider hat Salzburgs Grande Dame Hanne Rohrer wieder das Pech, im mediokren Figurenarrangement allein gelassen zu sein. Für wen Salzburg diese Klamotte gibt, bleibt unklar. Schülern wie Pensionisten wird es zu langweilig sein. (gugg/DER STANDARD, Printausgabe, 20.09.2005)

Landestheater/republic
5020 Salzburg
A.-Neumayr-Pl.
0662/84 03 10
19.30 Uhr
  • Werner Friedl als Inspektor Voß ermittelt im Colombo-Stil gegen die Irrenärztin (Hanne Rohrer).
    foto: christian schneider

    Werner Friedl als Inspektor Voß ermittelt im Colombo-Stil gegen die Irrenärztin (Hanne Rohrer).

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