Im Wald, da sind die Wiederkäuer...

10. Oktober 2005, 19:56
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Das Aktionskombinat "Casa Del Kung Fu Allstars" verlegt Schillers Wald der gesetzlosen Possenreißer in ein Bambus-Terrarium im Rabenhof Theater

Die Übersetzung von Schillers Sturm und Drang in ein holzschnittartiges Schwertkampfgetöse wird man nicht gleich zur Theaterhochleistung umlügen müssen, um nicht doch den stark laienromantischen Reiz der Räuber-Fernostfassung des Theaters Rabenhof zu würdigen.

Das Aktionskombinat "Casa Del Kung Fu Allstars" der Gebrüder Klaus und Peter Waldeck verlegt Schillers Wald der gesetzlosen Possenreißer und Gewaltattentäter in ein Bambus-Terrarium, in dem man chinesische Trichterhauben trägt, Samuraischwerter spazieren führt, Knurrlaute ausstößt (Florian Sedivy als Karl Moor), Wrestling vorführt und ein im Übrigen dadaistisch getöntes Schiller-Deutsch zum Vortrag bringt: "Warum ist's eigentlich immer ich, der gedämmelte Lack!?"

Herzzusammenschnürend auch jene Auslassung des Franz Moor (Edwin Hirschmann), der brieffälschenden "Kanaille", die hier als Franz Fuchs verkleidet daherkommt: "Dann soll er verflucht sein (gemeint ist der gesetzlose Bruder), das restliche Leben mit einem Strauß der dornigsten Rosen in den Arsche . . ."

Aber vielleicht hörte der junge, nach Mannheim echappierte Schiller heute ja auch Bloc-Party-Remixes. Wäre er nach Wien-Erdberg ausgewandert, schriebe er heute für den "Nestroy"-prämierten, unverschämt grinsenden Boulevard des Rabenhofs jambische Dramen. Ein Spaß, nicht mehr - nicht weniger. (poh/DER STANDARD, Printausgabe, 20.09.2005)

Theater Rabenhof
3., Rabengasse 3
01/712 82 82
20. - 24.9, 27./ 28.9., 14./15.10 sowie 20./21.10
jeweils 20 Uhr
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    foto: rita newman
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