Armer Uni-Nachwuchs -
von Karin Moser

2. März 2007, 11:22
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An den finanziell ausgedörrten Universitäten herrscht Sparzwang, "fordernde" Freie kann man da am allerwenigsten gebrauchen

Die Gruppe ist heterogen und mit mäßigem Organisationsgrad über die einzelnen Uni-Institute verstreut. Auch damit ist die schwache Ausgangssituation der externen Lehrenden bei den laufenden Kollektivvertragsverhandlungen zu erklären. Allein an der Universität Wien stellen sie fast die Hälfte der Beschäftigten. Sie kümmern sich um die Vorbereitung der Lehrveranstaltungen ebenso wie um Prüfungsbetreuung oder Zeugnisbürokratie. Und sie sind extrem schlecht bezahlt. Schon jetzt. Der lange geforderte Kollektivvertrag, der eine universitätsweit einheitliche Dotierung ihrer Tätigkeiten bringen sollte, birgt in der derzeit geplanten Form eine weitere massive Kürzung ihres Honorars.

Dabei müssen viele schon jetzt ihr Auslangen über diverse Forschungsprojekte finden, hier einen Artikel veröffentlichen, dort eine wissenschaftliche Mitarbeit suchen. Ihre Aussicht auf eine unbefristete Stelle ist gering. Schließlich herrscht an den finanziell ausgedörrten Universitäten Sparzwang, "fordernde" Freie kann man da am allerwenigsten gebrauchen. Also sollen sie via unverschämte Vertragsangebote vergrault werden. Ein Stundenlohn von 15 Euro wird hoch qualifiziertem, wissenschaftlichem Personal vorgelegt. Bei aller Leidenschaft für die Sache: Wer kann sich so sehr motivieren, dass er dafür in Kauf nimmt, finanziell ausgehungert zu werden?

Und es ist ein Irrglaube, dass die Gruppe der Externen jene "Jungwissenschafter" sind, die sich ihre Sporen und damit ihr Geld erst durch Erfahrung in der wissenschaftlichen und nicht wissenschaftlichen Praxis verdienen müssen. Wenn in den Studienplänen von einem stärkeren Praxisbezug der Lehrveranstaltungen die Rede ist, ist es daher unverständlich, warum ausgerechnet bei jenen gespart wird, die neuen Input einbringen. (DER STANDARD-Printausgabe, 20.9.2005)

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