Softwarekonzern liefert erstmals Open Source Software aus

19. Oktober 2005, 13:05
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Message Passing Interface zentrales Element der Supercomputer-Ausgabe von Windows - Pragmatischerer Zugang setzt sich in Redmond durch

Vor nicht all zu langer Zeit malte man in Redmond noch recht wortkräftig den virtuellen Teufel an die Wand, wenn die Rede auf Open Source kam - von "Krebsgeschwür" bis zur lautstarken Warnung vor dem herannahenden Software-Kommunismus war da die Rede. Mittlerweile hat sich bei Microsoft allerdings ein deutlich pragmatischerer Zugang zum Thema Open Source gebildet, immerhin hat der Softwarekonzern in den letzten Monaten selbst damit begonnen einige - wenn auch noch recht zaghafte - Schritte in diese Richtung zu unternehmen, erste Programme wurden unter einer eigenen Lizenz veröffentlicht.

Premiere

Mit der Windows Server 2003 Compute Cluster Edition folgt aber nun ein weitere Meilenstein, erstmals integriert Microsoft Open Source in eines seiner Produkte, noch dazu an recht prominenter Stelle, dies berichtet eweek. Das "Message Passing Interface" wurde von einem Konsortium von Supercomputerherstellern gemeinsam entwickelt, um die Portabilität des Codes zu gewährleisten.

Kooperation

In Zusammenarbeit mit dem Argonne National, das von der University of Chicago betrieben wird, hat man die MPICH2 Referenz-Implementierung herangezogen, und für die eigenen Bedürfnisse in Hinblick auf Geschwindigkeit und Sicherheit optimiert. Die aktuelle Version 1.0.2p1 von MPICH2 wurde im Juli veröffentlicht und auf zahlreichen Plattformen - darunter auch Linux - gestestet.

Vorteile

"Es wäre extrem teuer und schwierig für Microsoft gewesen eine eigene Alternative zur MPI-Technologie zu entwickeln", so Kyril Faenov, Microsofts Verantwortlicher im Bereich High Performance Computing. Außerdem hätte dies auch zu Kompatibilitätsproblemen führen können, Standards können nicht immer alles spezifizieren, es sei oft die Referenzimplementierung, die zählt.

Rückwärts

Microsoft plant auch den eigenen Code an die Open Source Community zurückzugeben, auch wenn dies die BSD-Lizenz - unter der die Software steht - nicht vorschreibt. Zumindest die Fehlerbereinigungen werden rückfließen, wahrscheinlich aber auch die eigenen Verbesserungen, so Faenov. (red)

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    montage: redaktion
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