Der Grüne Voggenhuber präsentierte im Europaparlament seinen Vorschlag zur Verfassung: Er will eine EU-weite Abstimmung
Der Grünen-Abgeordnete Johannes Voggenhuber ist gemeinsam mit einem britischen
Kollegen vor der Sommerpause vom EU-Parlament beauftragt worden, einen Bericht zu
erstellen, wie es mit der EU-
Verfassung weitergehen soll.
Die negativen Referenden in
den Niederlanden und Frankreich haben dazu geführt, dass
die Ratifizierungsprozesse auf
Eis gelegt wurden. Voggenhuber präsentierte am Donnerstag im EU-Verfassungsausschuss zum ersten Mal seine
Vorschläge: "Die europäische
Verfassung ist nicht tot", sagte
er im STANDARD-Interview.
Seinem Vorschlag zufolge
sollen in einer ersten Phase bis
Ende 2006 die unstrittigen
Punkte in einen ersten europäischen Verfassungsvertrag
gegossen werden. Als Beispiele nannte Voggenhuber die
Charta der Grundrechte, die
Einführung einer europäischen Volksabstimmung und
des Prinzips "Kein Gesetz ohne Parlament". Auf einer Versammlung der Parlamente
(EU-Parlament und Parlamente der Mitgliedstaaten) soll
dies beschlossen werden.
In einer zweiten Phase bis
März 2009 sollen Zukunftsfragen wie jene nach dem europäischen Sozialmodell und
der gemeinsamen Außen- und
Sicherheitspolitik geklärt werden. Dazu soll erneut ein Konvent einberufen werden, der
dann den Entwurf für eine
endgültige Verfassung ausarbeiten soll. Einfließen sollen
Vorschläge der EU-Kommission, wie bestehende Verträge
reformiert werden können.
Nach den Vorstellungen
Voggenhubers sollen dann
gleichzeitig mit der Europawahl im Juni 2009 auch die
EU-weite Volksabstimmung
über die Europäische Verfassung stattfinden. Die Forderung nach einer EU-weiten
Volksabstimmung hat auch
Bundeskanzler Wolfgang
Schüssel wiederholt erhoben.
Laut ÖVP-EU-Abgeordnetem Reinhard Rack wird sich
Schüssel während der EU-Präsidentschaft 2006 "dafür nicht
auf die Schienen legen". Er habe Signale aus Wien, dass man
sich das Thema Verfassung ersparen wolle, "weil hier nicht
viel zu gewinnen sei". (DER STANDARD, Printausgabe, 16.09.2005)
Von Alexandra Föderl-Schmid aus Brüssel