"Man kann keinen Muffel zum Starverkäufer machen"

26. Februar 2006, 17:36
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Rainer Hochfellner, Personalchef einer großen Handelskette über den Stellenwert der Weiterbildung im Verkaufsgewerbe

"Jede Führungskraft, die ihr Pulver wert ist, weiß, dass eine gut ausgebildete und engagierte Person dem Unternehmen mehr bringt als jemand, der nur eine Nummer ist", bauMax-Personalchef Rainer Hochfellner kann sich Personalmanagement ohne Weiterbildung nicht mehr vorstellen. So gibt er sich im Gespräch mit derStandard.at überzeugt, dass lebenslanges Lernen auch im Handel Zukunft hat und die Zufriedenheit der Arbeitnehmer fördert. Denn "Wunderwuzzis", die von Anfang an alles können, gibt es nun mal nicht.

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derStandard: Wenn Sie sich das Idealbild eines Arbeitnehmers vorstellen, wie sieht das aus?

Hochfellner: Unser ideales Anforderungsprofil in der Holzabteilung wäre zum Beispiel ein Tischler mit Verkaufstalent. Also einer der sich auskennt und gut verkaufen kann. Außerdem sollte er sich natürlich auch noch mit dem Warenwirtschaftssystem auskennen. Diese Wunderwuzzis gibt es aber nicht am Markt. Vor allem in der Stadt gibt es kaum noch HandwerkerInnen, die wir ansprechen können. Es werden immer weniger Handwerker ausgebildet.

derStandard: Wie schaffen Sie es, trotzdem gute Arbeitskräfte zu bekommen? Wie wichtig ist dabei die Weiterbildung?

Hochfellner: Wir suchen unsere MitarbeiterInnen eigentlich hauptsächlich hinsichtlich der Kundenorientierung aus, das heißt wir nehmen gerne Menschen die extrovertiert sind und kundenorientiert denken können. Das Fachwissen ist auf alle Fälle leichter zu schulen als einen Muffel zum Starverkäufer zu machen. Wir investieren dadurch vor allem am Anfang viel und haben dann recht schnell Leute, die gute Arbeitskräfte sind.

Je höher die MitarbeiterInnen in der Hierarchie nach oben kommen, desto wichtiger ist es dann, auch gezielt dem steigenenden Stress angepasste Persönlichkeitstrainings vorzunehmen. Konfliktlösungen, Arbeitstechniken und Zeitmanagement sind dann die Themen für die Weiterbildung.

derStandard: Können Talente und Fähigkeiten von ArbeitnehmerInnen auch abseits von standardisierten Programmen adäquat gefördert werden?

Hochfellner: In unseren Einschulungsprogrammen versuchen wir sehr wohl auf die jeweiligen Talente und Fähigkeiten der Leute einzugehen und sie dort abzuholen, wo sie stehen. Unsere Schulungsbeauftragten können hier schon auf eine reiche Erfahrung zurückgreifen. In Verkaufsschulungen oder Warenwirtschaftsschulungen ist das natürlich schwieriger, weil wir ausgelagerte Weiterbildung nicht ohne weiteres beeinflussen können.

derStandard: In wen wird "investiert"? Wie ist die Situation der Frauen in Mutterschaftskarenz, die Situation der älteren Arbeitnehmer?

Hochfellner: Es werden bei uns alle MitarbeiterInnen gleich behandelt und haben die gleiche Chance auf Weiterbildung.

derStandard: Muss in einem großen Unternehmen der Mensch automatisch zum Wirtschaftsfaktor werden?

Hochfellner: Jeder Mitarbeiter ist ein Individuum und hat seine Stärken und Schwächen. Natürlich sind auch wir Kaufleute, aber wir haben die Erfahrung gemacht, dass wirtschaftlicher Erfolg und ein respektvoller, persönlicher Umgang mit den Mitarbeitern Hand in Hand gehen. Wenn Menschen an ihrer Tätigkeit Freude haben, sich einbringen können und respektiert werden, dann sind sie bessere Arbeitnehmer. Als Arbeitgeber wäre man verrückt, dieses Potenzial nicht zu nutzen. Jede Führungskraft, die ihr Pulver wert ist, weiß, dass eine gut ausgebildete und engagierte Person dem Unternehmen mehr bringt als jemand, der nur eine Nummer ist.

derStandard: Muss man damit rechnen, gut ausgebildete Arbeitnehmer gleich wieder zu verlieren oder bindet betriebsinterne Weiterbildung an das Unternehmen?

Hochfellner: Ich denke, dass die Möglichkeit betriebsinterner Weiterbildung sicher an ein Unternehmen bindet. Aber es ist weit nicht der wichtigste Faktor. Wir machen jährlich eine Befragung der MitarbeiterInnen, bei der wir abfragen: "Was ist Ihnen wichtig". Weiterbildung kommt hier erst an zehnter Stelle vor. Als viel wichtiger wird zum Beispiel ein gutes Betriebsklima, Lob, Erfolg, Teamarbeit, etc. empfunden. Weiterbildung ist also nicht das größte Motivationsmittel, aber kann trotzdem Auslöser für größere Zufriedenheit sein.

  • Rainer Hochfellner: "Weiterbildung ist nicht das größte Motivationsmittel, aber kann trotzdem Auslöser für größere Zufriedenheit sein".

    Rainer Hochfellner: "Weiterbildung ist nicht das größte Motivationsmittel, aber kann trotzdem Auslöser für größere Zufriedenheit sein".

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