Grasser: Rektorenwünsche sind zu hoch

8. November 2005, 15:50
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Startschuss für Ausverhandlung der Unibudgets gefallen: Auf dem Tisch liegt eine Mindestforderung der Unis von über einer Dreiviertelmilliarde Euro

Wien - Als Viererkette liefen sie gemeinsam aufs Feld, als zwei Doppelspitzen, die fortan gegeneinander antreten werden, verließen sie es. "Möglichst viel" steht auf dem Gewinnpokal, den die einen wollen. "Möglichst wenig" wäre ein Erfolg für die anderen. Es geht um Geld. Geld für die Unis - von Finanz- und Bildungsministerium.

Am Donnerstag fiel der Startschuss für die Ausverhandlung der Uni- Globalbudgets für 2007/08/09. Eine Arbeitsgruppe mit Vertretern von Bildungs- und Finanzministerium sowie Rektorenkonferenz soll bis Mitte November die Finanztransaktion zwischen Bund und Unis ausarbeiten. Am Tisch liegt ein seit Monaten bekannter Mindestbetrag der Unis von über einer Dreiviertelmilliarde Euro.

Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (VP) lobte die Segnungen des Unigesetzes 2002 für die Unis. Rektorenchef Christoph Badelt von der WU Wien und sein Vize Manfried Gantner von der Uni Innsbruck verpackten in der ersten Runde ihre Kritik am engen Finanzgürtel, den ihnen eben dieses Gesetz geschnürt hat, in watteumwickelte Sätze, in denen die gewonnene Autonomie zwar gelobt, der Bedarf nach mehr Geld schon deutlich angesprochen wurde. Und Finanzminister KarlHeinz Grasser nannte "erstklassige Unis unser Ziel".

In der Feinabstimmung der vier Redner wurde dann schnell klar, dass es diametral entgegengesetzte Interessen gibt. Badelt äußerte "keine Wünsche ans Christkind", sondern vier konkrete Geldwünsche. Er begründete dieses Begehr unter anderem mit einem bereits realisierten "Abbau von Personal, der angesichts der Betreuungsquoten an den Unis nicht zu rechtfertigen ist". 170 bis 175 Millionen habe das Unigesetz den autonomen Unis an "nachgewiesenen Zusatzkosten" (z.B. Grundsteuer) aufgebürdet. Dazu kämen 600 Millionen Euro Finanzbedarf für Sanierungen desolater Unigebäude. Für "Spielräume für die Entwicklungspläne" und vorgeschriebene Arbeitnehmerschutzmaßnahmen sei auch mehr Geld notwendig - "nach oben keine Grenze", so Badelt.

Das musste Grassers Widerspruch nachgerade provozieren: "Es besteht Konsens darüber, dass es mehr für die Unis bedarf, aber unsere Vorstellungen liegen doch deutlich unter jenen der Rektoren." Sei doch "unsere Kernkompetenz, dass wir Wünsche nicht zu 100 Prozent erfüllen", so Grasser. Die Rektoren fanden diese Kompetenz nicht so toll, die Ministerin überlächelte sie.

Rektor Gantner hielt entgegen, die Unis hätten ihre "Hausaufgaben gemacht" und rund eine halbe Milliarde Euro eingespart bei Personal, Investitionen und Umschichtungen. Jetzt brauche man einfach "mehr Mittel".

Gehrer konterte, die dreijährigen Globalbudgets hätten den "enormen Vorteil", dass sich die Unis auf ein "gesichertes Budget ohne Abstriche und Bindungen" verlassen könnten. Gehaltserhöhungen würden extra abgegolten. (DER STANDARD, Printausgabe, 16.9.2005/red)

Von Lisa Nimmervoll
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