"BRIC" locken Anleger in neue Märkte

30. Oktober 2005, 19:22
posten

Volkswirtschaftlich werden die BRIC-Länder - Brasilien, Russland, Indien und China - in den kommenden Jahrzehnten auf der Überholspur sein

Wien - Für Anleger wird es immer wichtiger, über den Tellerrand der heimischen Kapitalmärkte zu schauen. Die Globalisierung bringt es mit sich, dass Länder, die vor wenigen Jahren auf der Anlagen-Karte noch weiße Flecken waren, immer stärker in den Mittelpunkt rücken.

Laut einer Studie des Investmenthauses Goldman Sachs werden die nächsten Jahrzehnte markante volkswirtschaftliche Überholvorgänge bringen. Brasilien, Russland, Indien und China (BRIC) dürften demnach 2025 bereits mit ihrem Bruttonationalprodukt die Hälfte des Bruttonationalprodukts der G-6-Staaten erreichen, es bis 2040 sogar schon übertreffen. Derzeit kommen die BRIC-Staaten auf etwa 15 Prozent des BNP der G-6-Staaten. Dem entsprechend sollten die Aktienmärkte dieser Schwellenländer überdurchschnittliche Chancen aufweisen.

Andreas Gummrich, Emerging-Markets-Spezialist der DWS-Investment-Gruppe, sieht genau dort interessante Alternativen in der derzeitigen "Renditen-Wüste".

Wobei Gummrich die Funktionen der vier Volkswirtschaften plakativ einteilt: Brasilien mit den immensen Reserven an Erzen, Metallen und Agrargütern als Rohstofflager der Welt. Russland wegen der gewaltigen Öl- und Gasreserven als "Zapfsäule der Welt". Indien als Denkfabrik und China als Werkhalle der Welt.

Das heurige Wirtschaftswachstum der vier Länder erwarten Experten weit über dem der USA (3,5 Prozent) und der Eurozone (1,6 Prozent), nämlich 9,3 Prozent für China, 8,5 Prozent für Indien, 7,2 Prozent für Russland und 4,5 Prozent für Brasilien. Trotzdem sei erst rund ein Prozent des Kapitals in diesen künftigen Schwergewichtsmärkten veranlagt.

Fonds und Zertifikate

Für den Anleger ist allerdings eine direkte Partizipation in den BRIC-Märkten nicht so einfach. Nahe liegend daher, über Investmentfonds oder Zertifikate einzusteigen. Die zur Deutsche-Bank-Gruppe gehörende DWS Fondsgesellschaft hat Ende März den Invest-BRIC-Plus-Fonds aufgelegt. Anlageschwerpunkte sind die BRIC-Länder mit gegenwärtig jeweils rund 20 Prozent Anteil am Fondsvermögen. Vorteil: Der Fonds lautet auf Euro, das Währungsrisiko ist damit geringer als bei US-Dollar-Fonds. Wechselkursrisiken von Währungen der BRIC-Länder zum Euro kann das Fondsmanagement flexibel absichern. Eine tolle Performance (plus 20 Prozent) zeigte der von der HSBC im Frühjahr aufgelegte, auf US-Dollar lautende HSBC GIF-BRIC-Freestyle-M2C-Fonds. Laut letztem Bericht entfallen 29 Prozent des Fondsvermögens auf Russland, 25 Prozent auf Brasilien, 21 Prozent auf Indien und 20 Prozent auf China und Hongkong. Ähnliche Konzepte verfolgt der Eurasien-Aktien-Fonds der Raiffeisen-Gruppe, der sein Schwergewicht auf Russland, Indien und China legt und zusätzlich in türkische Aktien investiert.

Wer auf Zertifikate setzt, deren Anlage nicht gemanagt wird, sondern über Indizes läuft, findet bei ABN ein entsprechendes Produkt, nämlich ein BRIC-Open-End-Basket-Zertifikat. Es enthält zu je einem Viertel Indexzertifikate der vier Länder. Ähnliche Zertifikate, allerdings mit beschränkter Laufzeit und breiterer Basis in Südamerika, gibt es von Goldman Sachs und JP Morgan. Eine Studie zeigt übrigens, dass der BRIC-Basket in den vergangenen fünf Jahren eine durchschnittliche Rendite von 18,4 Prozent jährlich erbracht hätte.

Langfristig denken

Für den Investor muss klar sein, dass gerade für Schwellenländer-Anlagen die langfristige Perspektive wichtig ist, dabei jedoch kurzfristig erhebliche Schwankungen auftreten können und zwischenzeitliche Rückschläge sehr wahrscheinlich sind. Wer ruhig schlafen will, für den ist vielleicht eine österreichische Variante, die frisch auf den Markt kommt, interessant: Capital Invest erweitert die bisher bei Publikum und institutionellen Anlegern sehr erfolgreichen Garantiefonds um einen RICH-Garantiefonds. Hier fehlt zwar Brasilien, doch Russland, Indien und China sind mit jeweils rund 30 Prozent des Aktienanteils gewichtet. Die Laufzeit des Fonds beträgt sieben Jahre.

Nach gleichem Muster strickt nun auch Raiffeisen einen Garantiefonds. Der Vorteil für den Anleger: Er erhält eine Kapitalgarantie von 100 Prozent sowie eine 80-prozentige Höchststandsgarantie. Nachteil: Die Aktienquote beträgt beim Fondsstart lediglich 25 Prozent, wird aber dynamisch angepasst bis auf maximal 50 Prozent des Fondsvolumens, was mit der Kapitalgarantie zusammenhängt. Trotzdem rechnet Capital-Invest-Chef Helmut Sobotka mit einer Performance von vier bis zehn Prozent jährlich, was in der herrschenden "Rendite-Wüste" durchaus ansehnlich wäre. (Nikolaus Dolenz, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15.9.2005)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Für Anleger werden die Länder Brasilien (Bild), Russland, Indien und China immer interessanter. Derzeit kommen die aufstrebenden Volkswirtschaften auf ein Bruttonationalprodukt (BNP) von etwa 15 Prozent des BNP der G6-Staaten.

  • Artikelbild
    grafik: standard
Share if you care.