Welche Indizes Anleger kennen sollten

29. November 2005, 14:13
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Welche Bedeutung haben Indizes, und was sollte man über den Dow Jones, den DAX oder den ATX wissen? Der GeldStandard erläutert die wichtigsten Punkte

Ein Index ist ein "Korb" mit Aktien, Anleihen oder anderen Finanzprodukten. Im Leitindex der Wiener Börse, dem ATX (Austrian Traded Index) sind zum Beispiel die rund 20 größten Werte der Wiener Börse zusammengefasst. Die Entwicklung des ATX gibt somit die durchschnittliche Marktentwicklung dieses Spitzensegmentes wieder.

Damit liegt es auf der Hand, dass Indizes auch als Messlatte ("Benchmark") für Investmentfonds gelten, die im gleichen Marktsegment investieren. Für den Fondsmanager gilt es, "seine" Benchmark zu übertreffen, also ein Ergebnis für seine Kunden zu erzielen, das über dem Marktdurchschnitt liegt.

Index-Abbildungen

Da viele Fonds auch einen Index "abbilden", bestimmt der Index auch die Mittelverteilung in einem Fonds: Denn ausgehend vom Index kann ein Portfoliomanager einzelne Sektoren bzw. Regionen unter-, über- oder neutral gewichten. Beispielsweise kann der Fondsmanager dann je nach Marktlage Finanzwerte übergewichten und Konsumwerte untergewichten.

Indizes werden aber nicht nur für die reine Performancemessung herangezogen. Viel wichtiger ist oft das Wie bezüglich der Performance-Entwicklung der Aktie oder eines Fonds. Denn während sich einige Aktien relativ ähnlich entwickeln wie der Index, schwanken einige mehr, andere wieder weniger stark als der Durchschnitt, schreibt der Fonds-Informationsdienst e-fundresearch. Diese Schwankungsbreite wird als Volatilität bezeichnet und u.a. in der Beta-Analyse verwendet: Dabei wird die Indexentwicklung mit dem Wert eins festgelegt. Ist das Beta einer Aktie (oder auch eines Fonds) größer als eins, ist sie volatiler als der Index, bei unter eins ist das Gegenteil der Fall.

Große Unterschiede

Wie unterscheiden sich Indizes? Für Anleger gilt es aber aufzupassen, denn Index ist nicht gleich Index. Für jede Region, jedes Land bzw. Branche existiert eine Vielzahl von Indizes. Und während einige nur von Spezialisten verwendet werden (und deswegen der breiten Öffentlichkeit so gut wie unbekannt sind), erfreuen sich andere bereits eines Bekanntheitsgrades der größer ist als der einer Popgruppe: Dow Jones Industrial Average, S&P 500, Nasdaq, DAX etc.

Für alle Indizes gelten folgende Unterscheidungen:

  • Berücksichtigung von Dividenden: Beim Preisindex (auch Kursindex genannt, engl. Capital Return/CR) wird der Indexstand ausschließlich aufgrund der Aktienkurse ermittelt und nur um Erträge aus Bezugsrechten und Sonderzahlungen bereinigt.

  • Beim Performanceindex (engl. Total Return - TR) wird dagegen unterstellt, dass alle Bardividenden und sonstigen Einnahmen aus dem Besitz der Aktien (z.B. Bezugsrechtserlöse) wieder in Aktien des Index reinvestiert werden. Während alle Indizes der Deutschen Börse (also z.B. DAX, MDAX, SDAX) Performanceindizes sind, berücksichtigen die meisten internationalen Aktienindizes (wie Dow Jones Industrial Average oder Euro Stoxx 50, MSCI World, MSCI Europe aber auch der österreichische ATX) Dividenden nicht.

    Ein direkter Vergleich zwischen DAX und Dow Jones Industrial Average (DJIA) hinkt also enorm, besonders über längere Zeiträume. Zum Vergleich: Allein durch die Berücksichtigung der Dividenden erzielte der DAX seit 1995 einen um 24,3 Prozent höheren kumulierten Ertrag (die durchschnittliche jährliche Dividendenrendite des DAX betrug in den letzten zehn Jahren 2,2 Prozent).

  • Indexberechnung: Ein weiterer wichtiger Unterschied ist die Berechnung der einzelnen Indizes - hier gibt es grundsätzlich drei Arten:

  • Preisgewichtete Indizes: Das wohl berühmteste Beispiel eines preisgewichteten Indizes ist der Dow Jones Industrial Average, der die Entwicklung der New York Stock Exchange (NYSE) abbildet. Die Berechnung des DJIA erfolgt dabei anhand der Aufsummierung der einzelnen Aktienkurse und der anschließenden Division durch die Anzahl der Aktien, in diesem Fall 30. Dadurch fließen Aktien mit hohem Kurs stärker in den Index ein als Aktien mit niedrigem Kurs. Die größte Position im DJIA ist derzeit Caterpillar mit über sieben Prozent, da die Aktie mit aktuell 97 US-Dollar die "teuerste" des gesamten Index ist. Die anhand der Marktkapitalisierung viel größere General Electric repräsentiert gerade einmal 2,6 Prozent. Ein weiteres bekanntes Beispiel für einen preisgewichteten Index ist der Nikkei-225-Index der Tokio Stock Exchange.

  • Kapitalisierungsgewichtete Indizes: Fließt die absolute Größe einer Aktiengesellschaft in den Index ein, so spricht man von einem kapitalisierungsgewichteten Index. In der Regel wird die Marktkapitalisierung einer Aktie (Ausstehende Aktien mal Aktienkurs) als Gewichtungsfaktor herangezogen.

    Als weltweiter erster Indexanbieter bot Standard & Poors bereits 1935 einen kapitalgewichteten Aktienindex auf den US-amerikanischen Markt an: den S&P-500-Index. Heute hat sich diese Berechnungsmethode weltweit als Standard etabliert. Fast alle bekannten Aktienindizes (Nasdaq Composite, Topix, MSCI World, Dow Jones Euro Stoxx 50, DAX, ATX etc.) sind kapitalisierungsgewichtete Indizes.

  • Ungewichtete Indizes: Wenn alle Aktien in einem Index bei der Berechnung gleich gewichtet werden (unabhängig von ihrem Aktienkurs bzw. ihrer Marktkapitalisierung) spricht man von ungewichteten Indizes. Diese Form ist relativ wenig verbreitet. Beispiele sind die Value Line Composite Averages, die aus rund 1700 gleich gewichteten US-amerikanischen Aktien bestehen. (red, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15.9.2005)
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