2000 legte die UNO globale Zielsetzungen auch für ökologische Nachhaltigkeit fest - ein halbes Jahrzehnt später wird eine erste umfassende Bilanz gezogen
Im Jahr 2000 wurden die so genannten Millenniums-Entwicklungsziele (engl. Millennium Development Goals, kurz: MDGs) bei dem UNO-Millenniumsgipfel im Rahmen der UNO-Millenniumsgeneralverammlung beschlossen und von rund 150 Staatsoberhäuptern unterzeichnet. Reiche und arme Länder verpflichteten sich, alles daran setzen, um Armut zu beseitigen, menschliche Würde und Gleichberechtigung zu fördern und Frieden, Demokratie und ökologische Nachhaltigkeit zu verwirklichen. Erreicht werden sollen die Millenniums-Entwicklungsziele bis zum Jahr 2015.
Vom 14. bis 16. September 2005 findet in New York die "Millennium+5"-Konferenz statt. Die Sondersitzung der Generalversammlung auf Ebene der Staats- und Regierungschefs ist die 5-Jahres-Überprüfung der im Jahr 2000 verabschiedeten Millenniumserklärung. Die versammelten Regierungsspitzen sollen eine umfassende Bilanz der internationalen Politik ziehen: Was ist bisher zur Umsetzung der Millenniumserklärung aus dem Jahr 2000 geschehen?
Eine Reihe von Evaluationsstudien, u.a. von den Vereinten Nationen, von der Europäischen Union, diversen NGOs, aber auch eine Vielzahl nationaler Reports belegen, dass die Fortschritte bei der Erreichung der Ziele sehr unterschiedlich zu beurteilen sind. Während einerseits bei einigen Zielsetzungen Fortschritte erzielt werden konnten, so zum Beispiel bei der Reduktion von Armut und Hunger oder beim Anteil der Kinder ohne Grundschulausbildung, sind die Erfolge regional sehr ungleich verteilt. Insbesondere Afrika südlich der Sahara fällt in fast allen Statistiken weiter zurück und wird bei der gegenwärtigen Entwicklung die MDGs bis 2015 jedenfalls nicht erreichen.
Die Erfolge in anderen Regionen sind zwar ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung, sollen aber nicht überdecken, dass nach wie vor mehr als eine Milliarde Menschen mit weniger als einem Dollar pro Tag auskommen müssen und mehr als 800 Millionen Menschen direkt von Hunger und Unterernährung betroffen sind. Gleichzeitig sterben täglich 30.000 Kinder unter fünf Jahren an Unterernährung und Krankheiten.
Zur Erreichung der Millenniumsziele sind sowohl enorme Eigenanstrengungen der von Hunger und Elend betroffenen Nationen als auch grundlegende Reformen auf internationaler Ebene erforderlich. Es geht um gemeinsame Anstrengungen, die Globalisierung gerecht, sozial und ökologisch zu gestalten. Internationale Strukturpolitik in diesem Sinne muss sich auf die Neuausrichtung der bestehenden Finanz- und Handelssysteme, Verbesserung bei der Finanzierung der Entwicklungszusammenarbeit und die Sicherstellung einer nachhaltigen Entwicklung orientieren.
Aus Anlass des Millennium+5-Gipfels handelt das Monatsthema September 2005 auf Nachhaltigkeit.at von den MDGs, und gibt Einblick in Entwicklung, Stand der Umsetzung und Evaluierung der Millenniumsziele sowohl auf internationaler Ebene, als auch aus dem Blickwinkel der Europäischen Union und Österreichs. Abgerundet wird dieses Monatsthema durch die Vorstellung von selektierten Initiativen und Beispielen, sowie durch hochkarätige Gastkommentare, unter anderem von Louis Michel, dem EU-Kommissar für Entwicklung und humanitäre Hilfe, sowie weiteren Vertretern aus Politik, NGO-Szene und Wissenschaft.
Die "Millennium+5"- Konferenz ist
Thema des Monats September 2005 im Internetportal
Der Autor:Mag. Arno Behrens ist Forscher am Sustainable Europe Research Institute (SERI).
Direkt-Link zum Monatsthema 9/2005 (mit Text-Vollversion und weiterführenden Informationen)