Kaffee, gesundheitlich gesehen: Deutlich besser als sein Ruf

9. November 2005, 12:34
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"Entwässernde" Wirkung ist ein Mythos, kein Zusammenhang mit Herz-Kreislauf­erkrankungen - potenziell gefährlich am ehesten enthaltenes Acrylamid

Wien - In der Früh gilt er als Muntermacher, am Nachmittag weckt er wieder die Lebensgeister und am Abend erfreut er sich als schwarzer Genusstrank großer Beliebtheit. Egal ob schneller Espresso oder genussvoller Milchkaffee, die Wiener lieben ihren Kaffee und feiern ihn gebührend. Am 1. Oktober wird der "Tag des Kaffees" begangen - Zeit für eine Bilanz:

Kaffee hat einen weitaus schlechteren Ruf in Sachen Gesundheit, als ihm in Wahrheit gebührt. Zum Beispiel ist das Getränk kein Auslöser konorarer Herzkrankheiten und kein Flüssigkeitsräuber, erklärte Univ.-Prof. Ibrahim Elmadfa vom Department für Ernährungswissenschaft der Universität Wien.

Die Sache mit dem Entwässern

Kaffee galt auf Grund der Harn treibenden Wirkung des Koffeins lange Zeit als Flüssigkeitsräuber, so Elmadfa. Um die erhöhte Harnausscheidung auszugleichen, soll zugleich ein Glas Wasser getrunken werden, lautet der Volksmund. Auch die Ernährungsempfehlungen sind bisher davon ausgegangen, dass koffeinhaltige Getränke nicht in die Flüssigkeitsbilanz mit eingerechnet werden. Einige neue Studien belegen nun, dass diese Aussage nicht haltbar ist.

Im Vergleich zu Wasser bewirkt der Konsum koffeinhaltiger Getränke keinen bedeutsamen Anstieg des Urinvolumens. Forscher kamen zum Ergebnis, dass es keine signifikanten Unterschiede in der Wirkung der verschiedenen Getränke auf den Flüssigkeitshaushalt gibt und Koffein damit keinen negativen Einfluss auf sie ausübt. Lediglich eine akute Dosis von 250 bis 300 Milligramm Koffein resultierte bei Personen, die zuvor über einen Zeitraum von mehreren Tagen oder Wochen kein Koffein zu sich genommen haben, in einer kurzfristig gesteigerten Urinproduktion.

Gutes Zeugnis in Sachen Herz-Kreislauferkrankungen und Diabetes

Nach heutigem Wissensstand besteht auch kein Zusammenhang zwischen Kaffeegenuss und dem Auftreten von Herz-Kreislauferkrankungen. Zwar sind - v.a. im Espresso - Substanzen enthalten, die den Cholesterinspiegel erhöhen können, ihre Wirkung ist aber vernachlässigbar gering, so Elmadfa.

Besser noch, neuesten Studienergebnissen zufolge kann Kaffee das Risiko einer Diabetes-Erkrankung vom Typ 2 senken. Es wird auch vermutet, dass moderater und regelmäßiger Konsum des Genussmittels das Auftreten von Gallensteinen reduziert. Verantwortlich ist das Koffein, das die Kontraktion der Gallenblase induziert.

Vorbeugewirkung noch nicht zweifelsfrei erwiesen

Kontrovers diskutiert werden laut Elmadfa noch die antioxidative Wirkung sowie mögliche protektive Effekte in Zusammenhang mit Krebs. So sollen Inhaltsstoffe wie Diterpene, die nur im Espresso zu finden sind, vor Dickdarmkrebs schützen. 1998 gab es eine groß angelegte Studie zu diesem Thema. Das Resultat: Bei einem Konsum von vier oder mehr Tassen Kaffee täglich war das Risiko, an Dickdarmkrebs zu erkranken, im Vergleich zu anderen Personen, die sporadisch bis nie Kaffee konsumierten, um 24 Prozent verringert. Fett verbrennt man besser durch Bewegung

Bekannt ist auch, dass Kaffee als Fettkiller gilt. Koffein regt die Lipolyse (Fettabbaurate, Anm.) und die Thermogenese (Energie verbrauchende Wärmeerzeugung und Schwitzen, Anm.) an. Eine erhöhte Lipolyse und somit ein gewichtsreduzierender Effekt konnte aber nicht bei mäßigem Genuss, sondern erst bei Koffeingaben ab vier bis acht Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag festgestellt werden. Um die lästigen Fettpölsterchen zumindest in Angriff zu nehmen, müssten zwei bis zehn Tassen getrunken werden. Lästiger Nebeneffekt: Man schwitzt, ist unruhig und der Puls geht schneller.

Gefährliche Substanzen ... bei hoher Dosis

Dennoch sind zwei Substanzen im Kaffee potenziell gesundheitsschädlich: Acrylamid und Furan sind Inhaltsstoffe, die Krebs erregend wirken. Wirklich gefährlich wird es aber erst bei der Aufnahme von hohen Dosen der beiden Stoffe, weiß Univ.-Prof. Ibrahim Elmadfa vom Department für Ernährungswissenschaft der Universität Wien.

Acrylamid wurde erst vor einigen Jahren in Lebensmitteln erforscht und zeigte sich im Tierversuch als Krebs erregend. Die Bildung hängt eng mit der Erhitzung verschiedener Lebensmittel zusammenhängt. Die WHO empfiehlt nicht mehr als ein Mikrogramm pro Kilo Körpergewicht und Tag. In Österreich liegt die mittlere tägliche Acrylamidaufnahme über Lebensmittel von 0,15 bis 0,65 Mikrogramm pro Körpergewicht. Erwachsene starke Kaffeetrinker können sich also schon einen Großteil der Dosis mit ihrem bevorzugten Muntermacher holen.

Lebensmittel, die bei ihrer Herstellung einen Erhitzungsprozess - wie die Kaffeeröstung - durchlaufen, können Furan enthalten. Die genauen Entstehungsmechanismen sind laut Elmadfa noch nicht geklärt. Furan wirkt zytotoxisch (zellschädigend, Anm.), vor allem auf die Leber. Im Tierversuch wurde eine eindeutige kanzerogene und erbgutschädigende Wirkung festgestellt. Auch bei dieser Substanz wurde empfohlen, nicht mehr als ein Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag aufzunehmen. Dieser Grenzwert würde aber erst nach dem Konsum von etwa 30 Tassen Kaffee erreicht. (APA)

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