Billig Autofahren ist wichtiger als ordentliche Schulen

21. Dezember 2005, 15:05
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Während Österreichs Ausgaben für Bildung sinken, werden Kilometergeld und Pendlerpauschale erhöht - Gastkommentar von Christoph Chorherr

Zwei Meldungen vom gestrigen Tag:
  • Die OECD stellt fest, dass Österreichs Ausgaben für Bildung (in Prozent des BIP) sinken, und jetzt bereits deutlich unter dem OECD Schnitt liegen.
  • Die Regierung erhöht Kilometergeld und Pendlerpauschale.
Politische Werte erkennt man daran, wofür Geld ausgegeben wird. Kurze Recherche im Finanzministerium: Dort schätzt man, dass diese Förderung des Autofahrens rund 30 Mio. Euro kostet; jährlich.

Kurze Gegenrechnung: Mit diesem Betrag könnten z.B. in jenen Schulen, wo Kinder besonderen Sprach-Förderbedarf haben, ca. 900 Lehrer/innen zusätzlich arbeiten.
Tatsächlich passiert aber das Gegenteil: Wegen angeblicher Budgetknappheit werden auch in den kommenden Jahren im Pflichtschulbereich Lehrerposten gestrichen.

Wichtig ist, wofür sich Politiker nachdrücklich und öffentlich ins Zeug legen: "Der Benzinpreis muss runter", tönt es seit Tagen aus allen Kanälen. Offenbar nicht wichtig, denn man ging nach dieser Meldung sofort zur Tagesordnung über: Eine andere Studie der OECD beschied uns, dass es in Österreich mindestens 300 000 Menschen gibt, die kaum schreiben und lesen können. Konsequenzen für unsere Schulen?
Mehr Geld?
Mehr Förderlehrer/innen?
Mehr Sprachunterricht?
Ich hab kaum etwas gehört.
Aber wichtig, sehr sehr wichtig, ich höre es in allen Nachrichten: Wie kann der Benzinpreis gesenkt werden?
Nicht wichtig: Die Tatsache, dass Mieten in Österreich deutlich stärker als der Benzinpreis gestiegen ist. Manahmen zu deren Senkung habe ich nicht gehört. Nicht wichtig: Die Tatsache, dass der Preis für einen Fahrschein der Wiener Linien in den letzten Jahren deutlich stärker als der Benzinpreis gestiegen ist. Alles egal, zumindest 3 Cent muss der Stoff billiger werden. Eine kurze Rechnung ergibt: 3 Cent verbilligtes Benzin senkt die Jahreskosten eines Autos um weniger als einen halben Prozentpunkt.

Was einer Regierung wichtig ist, zeigt sich daran, wofür sie Geld ausgeben. Wir haben gelernt: Billig Autofahrten ist viel viel wichtiger als ordentliche Schulen.

"Fremde Feder" ist eine Kolumne auf derStandard.at für KommentatorInnen von außen.

Zur Person

Christoph Chorherr ist Verkehrs-, Stadtplanungs- und Energiesprecher der Grünen im Wiener Landtag.

Linktipp

Weblog des Autors: www.chorherr.at
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