"Sprachen studiert man nicht, die kann man"

26. Februar 2006, 17:36

Andreas Altmann, Geschäftsführer des Management Centers Innsbruck, über postgraduale Weiterbildung und die Grundvoraussetzungen jeder Karriere

Für AkademikerInnen wird postgraduale Weiterbildung immer wichtiger, das Studium selbst immer mehr zur "Basisausbildung". Anbieter zur Absolvierung eines MBA oder MSC gibt es in Österreich mittlerweile einige, vor allem Führungsqualitäten sollen vermittelt werden. Der Geschäftsführer des Management Centers Innsbruck, Andreas Altmann, zeigt sich im derStandard.at-Interview überzeugt, dass "akademisches Schnöseltum" jedenfalls nicht zu den Qualifikation zählt, auf der man eine Karriere aufbaut. Als Ingridienzien sieht er vielmehr harte Arbeit, Selbstständigkeit, Flexibilität und ein verlässliches Netzwerk.

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derStandard.at: Immer mehr österreichische AkademikerInnen sind von Arbeitslosigkeit betroffen: Im März 2005 waren 8.925 Personen mit Uniabschluss arbeitslos gemeldet. Ist ein Magisterstudium alleine mittlerweile zu wenig für eine Akademikerkarriere?

Altmann: Aus der Sicht der Employability ist ein Magisterstudium tatsächlich zu wenig. Es ist immer die Frage, ob ich das richtige Studium wähle, mit einer technischen oder wirtschaftlichen Ausbildung sind die Chancen am Arbeitsmarkt sicher höher. Natürlich gibt es auch im Orchideenbereich einige Studien, die durchaus gute Jobs einbringen können, um irgendein konkretes Fach zu nennen, zum Beispiel eine Kombination aus Arabisch und Raumplanung. Abgesehen von der Studienwahl sind Sprachen besonders wichtig. Aber Sprachen studiert man nicht, die kann man, sie sind eine Grundvoraussetzung für jede Karriere.

derStandard.at: Warum ist eine Universitätsausbildung nicht mehr ausreichend. Ist ein Uniabsolvent aus Österreich dem steigenden internationalen Wettbewerbsdruck nicht mehr gewachsen?

Altmann: Das formale Element war in Österreich immer schon sehr ausgeprägt. International gesehen ist es kaum irgendwo wichtig wie in Österreich, einen "Titel" zu haben. Das weicht sich nun langsam auf, Österreich zieht erstmals in eine Richtung, die international schon länger eingeschlagen wird: Leistungsfähigkeit geht vor Formalität.

Im europäischen Kontext scheinen mir die österreichischen Hochschulen - was die Praxis- und Berufsorientierung betrifft - nicht so schlecht zu sein. Zumindest sind sie weit besser als die in Italien und - meiner Einschätzung nach - auch als die meisten deutschen Hochschulen. Was in Österreich allerdings erschreckend ist, ist die fehlende Mobilität der Absolventen. Ein Schweizer Hochschulabsolvent stellt sich von Anfang an darauf ein, dass er zuerst einige Jahre im Ausland verbringen muss, um später in einem Schweizer Betrieb eine Führungsposition übernehmen zu können. Hierzulande gilt der Umweg über das Ausland oft noch als unzumutbar. Auch ist die Bereitschaft in Österreich gering, Sprachen zu lernen. Viele Betriebe profitieren von der Ostöffnung, finden aber keine Arbeitnehmer, die die Sprachen wirklich können.

derStandard.at: Sie leiten das MCI Innsbruck und haben während Ihrer Tätigkeit bereits unzählige Einstellungsgespräche mit AkademikerInnen geführt. Worauf achten Sie?

Altmann: Ich achte zum Beispiel auf Selbstständigkeit, Berufserfahrung, Internationalität und Leistungsorientierung. Bemerke ich zum Beispiel, dass ein/e KandidatIn während des gesamten Studiums die Gastfreundschaft von Hotel Mama genossen hat, ist das für mich fast schon ein Ausschließungsgrund. Mit Leistungsorientierung meine ich so etwas wie eine gewisse "Schmerzbereitschaft", das klingt zwar etwas extrem, ist aber Tatsache. Als junger Arbeitnehmer muss man nun mal für ein Jahr oder länger seine Einsatzbereitschaft unter Beweis stellen, auch hinsichtlich des Teamgedankens. Akademisches Schnöseltum ist unangebracht.

derStandard.at: Wie müssen postgraduale Weiterbildungsangebote beschaffen sein, um am Markt der verschiedenen Angebote bestehen zu können?

Altmann: Ein gutes postgraduales Weiterbildungsangebot zeichnet sich aus durch gute Vortragende und gute Teilnehmer. Denn ein wichtiger Aspekt ist das Networking, an dem auch die Teilnehmer aktiv beitragen sollen. Natürlich müssen die Inhalte am Puls der Zeit sein, ein wichtiger Aspekt ist das Vermitteln von Fähigkeiten im Bereich Entscheiden-Lösen-Internationalität. Entscheidungsfreudigkeit und Leistungsfähigkeit in Verbindung mit konkreten fachlichen Inhalten soll vermittelt werden.

derStandard.at: Ein MBA/MSC/MAS ist immer auch eine Finanzierungsfrage. Welche Möglichkeiten gibt es für Personen, die eine derartige Ausbildung nicht im Rahmen einer betrieblichen Weiterbildung absolvieren? Welche Rolle spielt die Industrie bei der Vergabe von Stipendien?

Altmann: Die klassische Stipendienvergabe spielt im europäischen Kontext eine eher geringe Rolle. Es existieren aber die unterschiedlichen Mischformen bei der Finanzierung durch die eigenen Firmen. Je kürzer eine Ausbildung ist, desto eher ist das Unternehmen bereit, dafür aufzukommen. Bei längeren Ausbildungen kommen Teilfinanzierungen zum Tragen oder der Arbeitnehmer lässt sich freistellen und bekommt eine Garantie auf einen besseren Job oder eine Gehaltserhöhung, etc.

derStandard.at: Gibt es Statistiken, die zeigen, dass sich die Jobchancen mit einem postgradualen Titel deutlich erhöhen?

Altmann: Statistiken existieren international, vor allem von angelsächsischsen Business-Schools werden regelmäßig Rankings herausgegeben, die die Einstiegsgehälter von Absolventen vergleichen. Diese Rankings sprechen durchaus für eine derartige Ausbildung. Wie gut die Studien im Einzelfall wissenschaftlich abgesichert sind, muss man natürlich hinterfragen.

derStandard.at: Ist ein MBA mehr wert als ein MAS oder ein MSC?

Altmann: Das kann man so pauschal nicht sagen. Der MBA (Master of Business Administation) liefert eine Ausbildung, die sich stark auf "general management" konzentriert, MBA-Absolventen kommen aus den fachlich unterschiedlichsten Bereichen und wollen sich Führungsqaullitäten aneignen. Ein MSC (Master of Science in Management) ist üblicherweise eine Spezialisierung im eigenen Fachbereich. Der "Wert" dieser beiden Arten der postgradualen Ausbildung hängt also davon ab, wie sinnvoll sie jeweils für die bestimmte Person sind.

Der MAS (Master of Advanced Studies) ist ein österreichisches Unikum. Er wurde vor etwa zehn Jahren im Kontext der Donauuni eingeführt, um ebenfalls akademische Abschlüsse vergeben zu können. Damals war er sicher hilfreich, im Zuge der Internationalisierung allerdings stellt der MAS mittlerweile ein Auslaufmodell dar.

derStandard.at: Ist es sinnvoll, einen MBA, MSC oder MAS aus der Arbeitslosigkeit heraus zu belegen?

Altmann: Aus Anbietersicht nicht. Aus der Arbeitslosigkeit heraus werden Bewerber es deswegen schwer haben, einen Ausbildungsplatz zu bekommen. Wie schon erwähnt ist das Networking ein wichtiger Aspekte einer postgradualen Ausbildung und dazu sollen auch die Teilnehmer aktiv beitragen. Das ist für Teilnehmer, die nicht aktiv im Erwerbsleben stehen schwierig.

derStandard.at: Wie steht es um postgraduale Weiterbildung in Zeiten wirtschaftlicher Stagnation?

Altmann: In wirtschaftlich stagnierenden Zeiten ist die Nachfrage oft sogar ausgeprägter. Wenn es der Wirtschaft gut geht, hätte man zwar das Geld, aber nicht das Bewusstsein, dass eine Weiterbildung notwendig wäre.

  • Andreas Altmann: "Was in Österreich erschreckend ist, ist die fehlende Mobilität der Absolventen."
    foto: mci

    Andreas Altmann: "Was in Österreich erschreckend ist, ist die fehlende Mobilität der Absolventen."

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