Nachlese: Börsegang gestartet - Papier nichts für Kleinaktionäre

3. November 2005, 10:44
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Airline weist selbst auf hohes Risiko hin - Branche riskant und hochkompetitiv - positives Feedback auf IPO

Wien - Die slowakische Billigfluggesellschaft SkyEurope hat heute, Dienstag, offiziell ihren Börsegang gestartet. Die Aktie soll "um den 27. September" erstmals an der Wiener und Warschauer Börse notieren, heißt es im Börseprospekt. Das Papier, das zwischen 5 und 10 Euro kostet, ist allerdings eher für institutionelle Anleger und nicht für private Kleinaktionäre gedacht, meinen Experten. Sogar die Airline selbst weist Anleger im Prospekt auf das "hohe Risiko" der SkyEurope-Aktie hin.

"Ein Investment in unsere Aktien bringt ein hohes Maß an Risiko mit sich", heißt es im Börseprospekt wörtlich. Konkret seien die Fähigkeit, weiter operativ tätig zu sein, das weitere Wachstum und die geplante Expansion der Flotte mit Risken behaftet, heißt es. Weitere Risikofaktoren seien die steigenden Kerosinkosten und die ausreichende Verfügbarkeit von Treibstoff. Die Airline könnte auch aus finanziellen Gründen nicht in der Lage sein, alle 16 bestellten Boeing-Flieger anzunehmen.

Finanzielle Vereinbarungen

Die Airline erfülle derzeit auch die finanziellen Vereinbarungen "nicht zur Gänze", so dass die Gläubiger - die Raiffeisen International-Tochter Tatra Bank und HVB Bank Slovakia - entsprechende Schritte unternehmen könnten, heißt es im Prospekt weiter. Die gesamte Fremdfinanzierung von SkyEurope beträgt laut Prospekt 4,2 Mio. Dollar. Steigende Flughafengebühren könnten auf die Finanzsituation und das operative Ergebnis der Airline drücken. SkyEurope wird laut Analysten heuer und 2006 noch Verluste schreiben, frühestens 2007 seien erstmals Gewinne geplant.

Die Airline sei insgesamt in der hochkompetitiven und mit Risken behafteten Luftfahrtbranche tätig, SkyEurope stehe in Konkurrenz zu anderen Billigairlines und größeren Fluglinien, heißt es weiter. Die Austrian Airlines (AUA) könnte beispielsweise die Slovak Airlines, an der die AUA 62 Prozent hält, weiter entwickeln, was am Flughafen Bratislava - der Homebase von SkyEurope - den Wettbewerb verschärfen könnte.

SkyEurope Airlines gehöre zur Gänze der österreichischen SkyEuropeHolding, dies könne einen negativen Effekt auf die Verlängerung der Fluglizenzen in der Slowakei und auf die Verkehrsrechte in Kroatien haben, warnt die Airline. SkyEurope-Chef Christian Mandl meinte heute auf APA-Anfrage dazu: "Das müssen wir auf Grund rechtlicher Vorgaben im Prospekt anführen." Für SkyEurope als europäische Gesellschaft gelte aber jedenfalls EU-Recht, das über dem slowakischen Recht stehe, und damit sollte es keine Probleme geben.

Bis zu 12,98 Mio. Aktien

Ob im Zuge des Initial Public Offering (IPO) alle 12,98 Mio. Aktien platziert werden können, wollte SkyEurope-Chef Christian Mandl heute, Dienstag, auf APA-Anfrage nicht sagen. Nur: "Das Feedback der Banken ist sehr positiv". "Wir sind nach dem IPO die erste in Osteuropa tätige Airline, die an der Börse notiert", bemerkte Mandl.

SkyEurope ist an der Wiener Börse nach Intercell und Raiffeisen International heuer der dritte Börsegang, nach dem IPO wird der Streubesitz von SkyEurope bei rund 60 Prozent liegen. Angeboten werden bis zu 10 Mio. junge Aktien und weitere 1,8 Mio. Aktien aus dem Besitz der Altaktionäre Endavour Holdings und Loryma Investments. Dazu kommt eine Mehrzuteilungs-Option (Greenshoe) von 1,18 Mio. Aktien.

Angeboten werden damit in Summe bis zu 12,98 Mio. Aktien, aus dem Börsegang werden damit bis zu maximal 129,8 Mio. Euro erlöst. Die Zeichnungsfrist für Privatanleger läuft vom 19. September, 9 Uhr, bis 21. September, 12 Uhr. Institutionelle Anleger können bereits seit 9. September zeichnen. Der Emissionspreis soll am 22. September festgesetzt werden.

Mit dem Erlös des Börsegangs sollen die geplanten Flugzeug-Zukäufe und das weitere organische Wachstum finanziert werden, damit die Airline auf eine kritische Masse anwachse, sagte Mandl. Die Flotte soll von derzeit 15 bis 2009 auf 47 Flugzeuge aufgestockt werden. Bereits im Mai 2005 hat SkyEurope 32 Maschinen des Typs Boeing 737 im Wert von 1,4 Mrd. Euro bestellt.

Operativer Verlust

Der operative Verlust von SkyEurope lag im ersten Halbjahr 2004/05 (per Ende März) bei 850,2 Mio. Slowakischen Kronen (22,3 Mio. Euro), der Nettoverlust lag bei 590,6 Mio. Kronen. Die Nettoverschuldung lag per Ende März bei 792,6 Mio. Slowakische Kronen. Das negative Eigenkapital lag per Ende März bei 353,1 Mio. Kronen. An eine Dividende ist derzeit nicht gedacht. Die Airline beschäftigte per Ende Juni 717 Mitarbeiter (Vollzeitkräfte), auf die dem Bericht zufolge nur neun Prozent der gesamten laufenden Kosten von SkyEurope entfallen.

SkyEurope wird für das per Ende September endende Geschäftsjahr 2004/05 laut Analystenschätzungen demnächst einen Umsatz von 105 Mio. Euro und einen Verlust von 26,6 Mio. Euro bekannt geben. SkyEurope ist übrigens fast so viel wert die Austrian Airlinens (AUA). In der Analyse von Sal. Oppenheim wird der slowakische Billigflieger mit 204 Mio. Euro bewertet, die Marktkapitalisierung der AUA lag zuletzt bei 219 Mio. Euro, berichtet das "WirtschaftsBlatt" heute.

SkyEurope wurde am 6. September 2001 - fünf Tage vor den Terroranschlägen in den USA - gegründet und ist nach eigenen Angaben derzeit mit 15 Flugzeugen eine der größten Billigairlines in Zentral- und Osteuropa, das Unternehmen bedient von den vier Flughäfen Bratislava, Budapest, Warschau und Krakau aus 52 Routen zu 28 Destinationen in 16 Ländern.

Global Coordinator und Sole Bookrunner des Börsegangs ist die CA IB, die Bank Austria Creditanstalt (BA-CA) ist Lead Manager, Sal. Oppenheim Co-Lead-Manager. (APA)

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SkyEurope
  • SkyEurope-Chef Christan Mandl berichtet von positiven Reaktionen auf den Börsegang.
    foto: epa/koller

    SkyEurope-Chef Christan Mandl berichtet von positiven Reaktionen auf den Börsegang.

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