Homosexuellen-Vertreter lehnen "Light"-Variante ab

11. Dezember 2005, 22:45
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SPÖ verweist auf "Blockadepolitik der ÖVP" - Strache sieht Gastinger von Heide Schmidt beseelt

Die Homosexuellen-Organisationen begrüßten am Dienstag zwar, dass Justizministerin Karin Gastinger (B) nun im "Standard"-Interview die Notwendigkeit der Anpassung der rechtlichen Rahmenbedingungen für homosexuelle Partnerschaften erkannt habe. Das von der Ministerin erwogene "Partnerschaftsmodell mit rechtlicher Verankerung" wäre jedoch nur eine "Homo-Ehe light" - und das ist sowohl der HOSI Wien als auch dem Rechtskomitee Lambda zu wenig. SPÖ-Justizsprecher Hannes Jarolim und SOHO-Vorsitzender Günter Tolar bezweifeln, dass sich Gastinger gegen die ÖVP durchsetzen kann.

Jarolim erinnerte im SPÖ-Pressedienst daran, dass seit einem halben Jahr ein fertiger Gesetzesentwurf der SPÖ im Parlament liege, der die völlige Gleichstellung homosexueller Partnerschaften im Eherecht vorstehe, mit Ausnahme der Adoption. Für ihn ist allerdings fraglich, ob sich die Justizministerin in den eigenen Reihen durchsetzen kann: "Bei der bekannten Blockadepolitik der ÖVP ist es unwahrscheinlich, dass der Bundeskanzler ein solches Thema auf die Tagesordnung setzen lässt."

"Um keinen Deutt weniger wertvoll"

Für Tolar, den Vorsitzenden der sozialdemokratischen Homosexuellenorganisation SoHo, ist es "derzeit unvorstellbar, wie sich die Ministerin mit ihrem Vorstoß in ihrer Bundesregierung durchsetzen will".

Auch HOSI Wien-Obmann Christian Högl befürchtet, dass Gastinger beim Koalitionspartner ÖVP auf taube Ohren stoßen wird. Außerdem lehnte er eine "Light"-Variante ab: "Unsere PartnerInnenschaften mit unseren gleichgeschlechtlichen LebensgefährtInnen sind um keinen Deut weniger wertvoll wie jene heterosexueller Eheleute - ein Umstand, der für die frisch vermählte Frau Justizminister möglicherweise nachvollziehbar ist", so Högl in einer Aussendung.

"Ehe zweiter Klasse"

Die Einführung einer "Ehe zweiter Klasse" würde nichts an der Diskriminierung gleichgeschlechtlicher Paare ändern, merkte das Rechtskomitee Lambda in einer Aussendung an. Die "Homo-Ehe light" würde nur einen Bruchteil der Rechte und Pflichten der Ehe beinhalten. So forderte Lambda die - von Gastinger ausgeschlossene - Möglichkeit der Adoption des leiblichen Kindes des/der gleichgeschlechtlichen Partners bzw. Partnerin.

Erwartungsgemäß in die andere Richtung ging die Kritik von FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache: Er sieht Gastinger "beseelt vom politischen Geist der erfolglosen Heide Schmidt". Die Ministerin lasse die breite der Mehrheit der Bevölkerung links liegen, meinte er in einer Aussendung. (APA)

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