Auf zum Nationaltorkeltag!

7. November 2005, 10:18
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Das Tanzquartier Wien beginnt die fünfte Spielsaison mit auffrischendem Rückenwind: Am Mittwoch startet das Ich-AG-kritische Kurzfestival "I Say I"

Wien – Schon vor Beginn der fünften Saison des Tanzquartiers Wien (TQW) haben sich die Stürme der Anfangszeit gelegt. Die Institution konnte sich als Kunstort in Wien Respekt verschaffen und ist international zu einem führenden choreografischen Zentrum aufgestiegen. Ein Grund dafür liegt in der Dynamik, mit der Intendantin Sigrid Gareis das interdisziplinäre Potenzial sowie die Erweiterung des Kunstbegriffs im Tanz nützt und Kooperationen mit heimischen und ausländischen Kunstorganisationen initiiert. Ein anderer darin, dass das Wiener Publikum offensichtlich Lunte gerochen hat, was sich in ansteigenden Zuschauerzahlen (immerhin plus zehn Prozent in der vergangenen Saison) niederschlägt.

Dieser Trend könnte anhalten. Nicht nur, weil choreografische Schwergewichte wie Meg Stuart, Boris Charmatz oder Gilles Jobin mit Ur- be^ziehungsweise österreichischen Erstaufführungen anreisen. Sondern auch wegen der mittlerweile quirlig dichten Struktur aus Aufführungen, Sonderprojekten, (Ko-)‑ Produktionen, Vortragsreihen, pädagogischen Akti^vitäten, Gastkuratierungen, Künst^lerlaboren sowie dem gern genutzten Bibliotheks- und Diskursangebot.

Die aktuelle Saison beginnt morgen mit einem Ich-AG-kritischen Kurzfestival unter dem Titel "I Say I" (u.a. mit Performances von Michael Laub, Rabih Mroué, einem Mode-Event und einem von Krassimira Kruschkova organisierten Symposium zum Thema) und schließt im Mai 2006 mit einer Factory Season unter dem Motto "KünstlerInnen schaffen Wissen".

Im Frühjahr wird der renommierte Regisseur Ong Keng Sen ein zweiwöchiges Performanceprogramm kuratieren. Gareis hat es außerdem verstanden, die wichtigsten europäischen Tanzhäuser, darunter das Pariser CND und The Place/London zu dem internationalen Netzwerk IDEE (Initiative for Dance through European Exchange) zusammenzuschließen, das Künstler in ein europäisches Koproduktions-, Gastspiel- und Researchprogramm einbindet.

Zu den Artists-in-Residence des TQW gehören Daniel Aschwanden und Veronika Zott mit Marcos Rondon. Aschwanden wird auch eines der Künstlerlabore leiten. Unter den ans Haus eingeladenen Tanzpädagogen finden sich Größen wie John Jasperse und Vera Mantero. Außerdem starten ein neues Nachwuchsprogramm und eine Reihe selbstverwalteter Samstage für Wiener Tänzer in den‑ Studios. (DER STANDARD, Printausgabe, 13.09.2005)

Von Helmut Ploebst
  • Am 23. und 24. September im TQW: Michel Laubs "Remote Control".
    foto: tqw

    Am 23. und 24. September im TQW: Michel Laubs "Remote Control".

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