Tommy Hilfiger zieht am Kohlmarkt ein

10. November 2005, 13:41
9 Postings

Ein weiterer Schritt in der Entwicklung der traditionellen Einkaufsstraße zur Luxusmeile

Der Kohlmarkt, der mit dem Graben und der Kärntner Straße das "Goldene U" der Wiener City bildet, ist seit jeher Heimat traditionsreicher Familienbetriebe. In den letzten Jahren sind die hoch frequentierten Auslagen aber zunehmend in die Hände edler Designerboutiquen wie Chanel, Gucci oder Giorgio Armani gegangen. So wurde aus der Möbelfirma Thonet eine Luis Vuitton-Filiale, der Herrenaustatter Ita wich Cartier.

"Im Stil des alten Hauses"

Nun zieht per Mitte Oktober mit einem Tommy Hilfiger- Store ein weiterer nobler Textilriese auf den Kohlmarkt. Und zwar in die Nummer 12, direkt neben dem Kaffeehaus Demel. Hinter der denkmalgeschützten Fassade verwöhnte seit nunmehr 40 Jahren das "House of Gentlemen" seine betuchten Kunden mit feinen englischen Stoffen, klassischen Schnitten und exklusiven Marken. Der Herrenausstatter ist in das nur wenige Meter entfernte Haus am Kohlmarkt 11 an der Ecke zum Michaelerplatz umgezogen und wird am 15. September offiziell neu eröffnet. "Das Lokal wurde der Zeit entsprechend angepasst, aber im Stil des alten Hauses", erklärt Geschäftsführer Karl Hauer.

Was die Gründe für den Umzug in das flächenmäßig um etwa ein Drittel kleinere Lokal betrifft, übt Hauer britische Zurückhaltung. Fest steht, dass mit dem Umzug in das ehemalige "Adonis" eines der drei Geschäfte am Kohlmarkt, die vom Grazer Textilhändler Kurt Brühl seit vielen Jahren betrieben wurden, aufgegeben wird. Übrig bleiben von seinem Empire neben dem "House of Gentlemen" das "House of England" am Kohlmarkt sowie das Stammhaus in der Grazer Innenstadt. Ein zweiter Standort in Graz wurde schon an die Billigtextilkette H&M abgegeben.

Nachfrage vorhanden

Franz Weisgrab von der Immobilienfirma Colliers Columbus, die rund eineinhalb Jahre einen finanzkräftigen Nachmieter für das "House of Gentlemen" gesucht hat, bekräftigt: "Die Nachfrage von elitären Firmen ist vorhanden, aber der Preis muss auch stimmen." Und der ist naturgemäß hoch. Je nach Lage werden in der City bis zu 300 Euro pro Quadratmeter verlangt. Dazu kommen Ablösen in Millionen-Euro-Höhe, was in Summe viele Familienunternehmen überzeugt, sich von ihren Lokalen zu verabschieden.

Nobelste Meile Wiens

"Der Kohlmarkt hat sich in den letzten zwei Jahren als nobelste Meile Wiens entwickelt", ist Helmut Mondschein vom Einkaufsstraßenmanagement der Wiener Wirtschaftskammer erfreut. Den Vorwurf, dass die elitäre Traditionsstraße immer weniger unterscheidbar von Einkaufsstraßen in anderen Metropolen wird, lässt er nicht gelten: "Noch sind die individuellen Familienbetriebe in der Mehrheit", so Mondschein.

Das könnte sich künftig ändern: Im Sommer 2006 sollen in das Eckhaus am Kohlmarkt 8-10, das derzeit umgebaut wird, weitere hochpreisige Marken einziehen. (Karin Krichmayr/DER STANDARD; Printausgabe, 13.9.2005)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Tommy Hilfingers Mode bald am Wiener Kohlmarkt vertreten

Share if you care.