Lehrer-Gewerkschaft: "Geld in die Hand nehmen"

3. November 2005, 14:22
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Finanzausgleichschlüssel verändern oder neue Pensionsmodelle

"Auf irgendeine Art oder Weise muss man Geld in die Hand nehmen" - Der Vorsitzende der Pflichtschullehrer-Gewerkschaft, Walter Riegler, appelliert an die Verantwortlichen, "nicht schulterzuckend zu akzeptieren, dass weniger Schüler automatisch weniger Lehrer bedeuten". Die in den kommenden Jahren zu erwartenden Tausenden freigesetzten Lehrer würden die Gesellschaft in jedem Fall beschäftigen, so Riegler gegenüber der APA. Als Lösungsmöglichkeiten kann er sich die Veränderung des Finanzausgleichsschlüssels für die Anzahl der Schüler pro Lehrer oder neue Pensionsangebote vorstellen.

"Taxifahrer werden"

"Ob man die Lehrer in Kursen zu Computerexperten umschult, ihnen Arbeitslosengeld zahlt oder gleich versucht, sie im Job zu behalten und die Qualität an den Schulen zu erhöhen - das wird uns ohnehin beschäftigen", so Riegler. Volkswirtschaftlich gesehen wäre es sinnlos, wenn man "zunächst Hunderttausende Euro in die Hand nehmen würde, die Jungen drei Jahre lang an der Pädagogischen Akademie ausbildet und ihnen dann sagt, jetzt werdet Taxifahrer".

In den kommenden fünf bis sechs Jahren würden zwischen 6.000 und 10.000 Lehrer-Arbeitsplätze im Pflichtschulbereich wegfallen, meinte Riegler. Auch die Schätzungen der Grünen, die vor 12.500 Lehrern weniger warnten, seien nicht unrealistisch. Dem gegenüber stünden höchstens 2.000 bis 3.000 Lehrer, die in diesem Zeitraum in Pension gehen. Wie sich die Schülerzahlen an den Pflichtschulen tatsächlich entwickeln, hängt von der Geburtenzahl, der Zuwanderung und der Übertrittsrate in die Hauptschule bzw. in die AHS-Unterstufe ab. Wirklich bekannt ist derzeit nur die Geburtenrate, die beiden anderen Faktoren müssten hochgerechnet werden.

Keine Pensionisten

Derzeit würden nur ganz wenige Lehrer in Pension gehen. Grund ist die Pensionsreform, die das Antrittsalter erhöht hat, sowie die hohe Anzahl von Lehrern, die bereits 2003 das Vorruhestandsmodell in Anspruch genommen hat. "Wir haben derzeit kaum jemand, den man in Pension schicken könnte", so Riegler.

Um hohe Lehrer-Arbeitslosigkeit zu vermeiden, kämen praktisch nur zwei Varianten in Frage, meinte der Gewerkschafter: Mehr Geld als im Finanzierungsschlüssel vorgesehen in das System stecken und sich mehr Lehrer leisten, weil Österreich das ohnehin brauchen könne oder Pädagogen einen früheren Weg in die Pension ermöglichen, um zumindest für eine "Blutauffrischung" durch Junglehrer zu sorgen. Möglich wäre auch eine Mischung beider Varianten.

Billigeres System

Für die erste würde der Umstand sprechen, dass eine Änderung des Schlüssels wegen der rückgehenden Schülerzahlen kein zusätzliches Geld kosten würde: "Das System wird ja jetzt billiger, dieses Geld könnte man in die Qualität investieren." Das würde kleinere Klassen oder mehr Begleitlehrer ermöglichen. Die zweite hätte den Vorteil, dass Lehrer, die einfach nicht mehr unterrichten wollen, mit Abschlägen in Pension gehen könnten.

Im Moment finanziert der Bund laut Finanzausgleich nur ein bestimmtes Kontingent an Lehrer-Stellen: An Volksschulen eine Stelle pro 14,5 Schüler, an Hauptschulen eine pro zehn Schüler, an Polytechnischen Schulen eine pro neun Schüler und im sonderpädagogischen Bereich eine pro 3,2 Schüler. Bei einem Sinken der Schülerzahlen geht damit automatisch auch die Zahl der finanzierten Lehrer zurück - außer die Länder bezahlen diese aus eigener Tasche. (APA)

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