Wenn Pakete Achterbahn fahren

2. Oktober 2005, 23:07
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Eröffnung des neuen Verteilzentrums Wien – 200 Jobs weggefallen - Post plant Ankauf weiterer Grundstücke

Wien – Wie eine riesige Indoor- Achterbahn wirken die silber- blauen Förderbänder, auf denen sich Pakete aller Formen und Größen in langen Schleifen, scheinbar ferngesteuert ihren Weg bahnen. Rund 85.000 Pakete, 5000 EMS-Sendungen und 24.000 Zeitungen und Werbesendungen werden pro Tag im neuen Paketzentrum Wien Süd in Inzersdorf abgefertigt.

Fernab des Stadtzentrums wurde dort am Donnerstag das größte und modernste Verteilzentrum Österreichs eröffnet. Der Spatenstich für die 38 Millionen Euro teure Bebauung des 60.700 Quadratmeter großen Grundstücks samt 11.500 Quadratmeter großer Halle erfolgte im Februar 2004, seit April dieses Jahres läuft der Probebetrieb. Technische und logistische Anlaufschwierigkeiten wie im 2002 eröffneten Briefzentrum Inzersdorf habe es diesmal nicht gegeben, betonte Post-Generaldirektor Anton Wais.

Intelliegente Software und Automatisierung

Nun ermöglichen intelligente Software und Automatisierung, dass die Packerl wie am Schnürchen angeliefert, sortiert und weitergeleitet werden. Die Sendungen werden mit LKW von den Postfilialen oder direkt von den Großkunden – hauptsächlich Versandhäusern – geliefert und sofort entladen. Sodann werden die Pakete manuell auf die 2,5 Kilometer lange Förderstrecke gehievt, durch Scanner registriert und mit 9,4 Stundenkilometern zu den jeweiligen Sortierkreisen befördert. Auf diese Weise werden 12.000 Packerl pro Stunde abgefertigt. Rund 20.000 Pakete werden unmittelbar von dort aus in die 190 Rayons in Wien, Niederösterreich und Burgenland zugestellt, 95 Prozent davon innerhalb von 48 Stunden nach Aufgabe.

Natürlich kommt das Logistikzentrum nicht ohne menschliche Hände aus, wenn auch mit weniger als am alten Standort am Südbahnhof: Mit der Übersiedlung wurde die Zahl der Mitarbeiter um 200 auf 450 reduziert. Die überzähligen "Mitarbeiter wurden mit einem Sozialplan restrukturiert", wie es Hans Baumann, der Leiter des Paketdienstes ausdrückte. Die Einsparungen seien aufgrund der zunehmenden Konkurrenz notwendig geworden. Finanzstadtrat Sepp Rieder (SP) wies auf die 1,1 Millionen Euro Kommunalsteuer hin, die die Post der Stadt für das neue Postzentrum zahlen werde.

Ankauf eines weiteren Grundstücks

Um auch in Zukunft wettbewerbsfähig zu bleiben, plant die Post neben der bestehenden Anlage den Ankauf eines weiteren Grundstücks für die Zollabwicklung und als Reservefläche. Das Paketzentrum soll künftig Drehscheibe für Pakete nach Osteuropa werden, wohin die Post weiter expandieren will. (kri, DER STANDARD – Printausgabe, 9. September 2005)

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    foto: standard/christian fischer
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