Der größte Feind der Musikindustrie

23. Dezember 2005, 12:13
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"Allofmp3" verkauft Musikdownloads zu Dumpingpreisen und beschäftigt weltweit die Gerichte

Der größte Feind der Musikindustrie sitzt an der vierspurigen Planetnaya-Straße etwas außerhalb des Zentrums von Moskau. Im Haus Nummer 29 hat die Firma Media Services Inc. ihren Sitz - und diese verkauft über die Webseite AllofMP3.com - eine Webseite auf die man aus Sicht der Musikindustrie auch als Medium nicht verlinken sollte - der WebStandard berichtete, Musikdownloads zu Dumpingpreisen. Weltweit kämpfen die Musikkonzerne vor Gericht gegen den Online-Musicstore, der so verdammt legal aussieht und es doch nicht ist.

Im Stillen

Das Unternehmen braucht keine großangelegten Werbefeldzüge, zu bekannt sind die "Tiefpreise" im Internet schon. Und trotz zahlreicher Klagen und Verurteilungen machen die Betrieber munter weiter - in aller Stille, dafür umso konsequenter und hat sich so zu einem der größten Feinde der Musikindustrie hochgearbeitet.

Professionell

Das Angebot von Allofmp3 isz zwar bei weitem nicht so groß wie jenes von Apples iTunes Musicstore, dafür kostet ein Titel nur wenige Cent. Die Datenbank enthält weit über 300.000 Titel und rund 25.000 komplette Alben - selbstverständlich ohne eine entsprechende Genehmigung durch die Konzerne, aber in einer professionellen Art und Weise, die für nichtsahnende Konsumenten sehr nach einem legalen Online-Shop aussieht.

Keine Ahnung

Wer nun an der Planetnaya Straße Nummer 29 Nachforschungen anstellt und sich das Haus Nummer 29 ansieht, wird keinerlei Spuren zu AllofMP3.com oder die Betreiber-Firma finden, berichtet der Spiegel. Ein einfaches russisches Wohnhaus zeigt sich dem Besucher ohne jeden Hinweis auf die Media Services Inc.

Aktenkundig

In Deutschland wurden Urteile gegen das Unternehmen gefällt, aber ein Einleinken oder eine Reaktion gab es nicht. Dem Antrag sechs führender Musikkonzerne, unter ihnen EMI Music, Sony BMG und Warner Music, auf eine einstweilige Verfügung gegen Allofmp3 wurde stattgegeben und dem Unternehmen untersagt, die nach deutschem Urheberrecht geschützten Aufnahmen zum Download anzubieten. Nach dieser Urteilsverkündung wurden zahlreiche Privatpersonen und Medienunternehmen - etwa auch Heise - durch eine Münchner Anwaltskanzlei abgemahnt, weil sie auf das Angebot des russischen "Online-Musicstores" verlinkt hatten.

Im Recht

Allofmp3 auf der anderen Seite sieht sich im Recht. Eine Lizenz der "Russischen Organisation für Multimedia und digitale Systeme" (ROMS) wurde zu einem bekannten "Beweisstück" in diversen Verhandlungen und soll den Handel legitimieren - zumindest in Russland.

Up-to-date

Auch auf der technischen Seite hat AllofMP3.com einiges zu bieten: dank der so genannten Online Encoding-Technologie können die UserInnen die gewünschten Musiktitel im Dateiformat und der Qualität ihrer Wahl herunterladen. Neben MP3 werden auch die Formate Windows Media und Ogg Vorbis in verschiedenen Qualitätsstufen und ohne Kopierschutz unterstützt.(red)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Der Soundtrack von Charlie And The Chocolate Factory kostet bei Allofmp3 1.53 Dollar

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