Wo Mitbestimmung fehlt, fehlt auch Interesse

16. März 2006, 12:20
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Die Politikverdrossenheit der Erwachsenen färbt ab - viele Jugendliche wollen ihr Wahlrecht nicht nützen und interessieren sich nicht für Politik

Wien - "Mich interessiert Politik nicht, da ich weder wählen darf, noch Steuern zahlen muss", begründet Armin Grabner (14), warum ihn dieses Thema kalt lässt.

"Weniger als jeder fünfte Jugendliche sieht Politik als wichtig an", zitiert Politologe Peter Filzmaier seine neueste Studie. Die Gründe dafür lägen im "generell geringen" Interesse der Erwachsenen sowie den fehlenden Bezugspunkten in der Politik. Besonders in Österreich mangle es an Chancen, im unmittelbaren Lebensbereich wie der Gemeinde mitzubestimmen.

Casper Einem von der SPÖ ist ebenfalls der Meinung, dass Jugendliche zu wenige Möglichkeiten haben, vor Ort mit Politikern in Kontakt zu treten, sich jedoch durchaus für politische Fragen interessieren. Seinen Ansichten zufolge sind Aktionen wie die Europäische Jugendkonferenz eine gute Innovation, um die Wünsche der Jugend miteinzubinden. "Jugendliche können sich auch eigenständig organisieren, um ein bestimmtes Ziel gemeinsam zu verfolgen", schlägt Einem den Jugendlichen vor. Für ihn persönlich ist auch der Bereich der politischen Bildung in den Schulen verbesserungswürdig.

Silvia Fuhrmann von der Jungen ÖVP möchte sich der Jugend mit ihrer Internetplattform nähern und verweist darauf, dass man sich bei Wahlen "aktiv" einbringen kann.

Alexandra Kaineder (18) fühlt sich im politischen Geschehen dennoch zu wenig integriert. "Politiker sollten mehr mit der Jugend in Kontakt treten, denn sie ist ihre Zukunft", ist sie überzeugt. (DER STANDARD-Printausgabe, 6.9.2005)

Von Sarah Gerstendorfer und Rupert Kuess
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