Steuer-Roulette für Anteile

23. Dezember 2005, 10:29
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Auslandsbeteiligungen: Bei Untätigkeit droht Nachversteuerung - von Peter-Michael Grau

Im Jahr 2003 trat eine Neuregelung hinsichtlich der Steuerwirksamkeit von Wertverlusten bei Auslandsbeteiligungen in Kraft, die erstmals bei Ermittlung der Körperschaftsteuer für 2004 oder 2006 anzuwenden ist. Die Neuregelung führt zur grundsätzlichen Steuerneutralität von Wertänderungen von Auslandsbeteiligungen beim Anteilsinhaber, nachdem zuvor angenehmerweise Wertsteigerungen (capital gains) steuerfrei waren und Wertverluste dennoch steuermindernd wirkten.

Für alle Zukunft

Der Anteilsinhaber kann allerdings durch eine unwiderrufliche Option in der Steuererklärung die Steuerwirksamkeit sowohl positiver als auch negativer Wertänderungen für alle Zukunft herbeiführen.

Die Ausübung der Option auf Steuerwirksamkeit ist vorteilhaft, wenn eine künftige - etwa durch Verluste der Beteiligungsgesellschaft bedingte - Wertminderung der Auslandsbeteiligung erwartet wird, die in der Steuererklärung gewinnmindernd geltend gemacht werden soll. Die Nichtausübung der Option ist hingegen dann vorteilhaft, wenn eine durch Veräußerung der Beteiligung realisierte Wertsteigerung erwartet wird. In der Praxis wird diese Prognose über die zukünftige Wertentwicklung unsicher sein, was der Option unter Steuerrechtlern die launige Bezeichnung "Steuer-Roulette" bei Auslandsbeteiligungen einbrachte.

Kristallkugel gefragt

Als ob diese Vorhersage nicht schon schwierig genug wäre, trifft jene Unternehmen, welche die Option auf Steuerwirksamkeit nicht ausüben und in der Vergangenheit eine Auslandsbeteiligung steuerwirksam abgeschrieben haben, die "Steuerkeule": Sie haben diese Abschreibungen über sieben Jahre verteilt nachzuversteuern.

In diesen besonderen Fällen ist die Ausübung der Option daher jedenfalls empfehlenswert, wenn nicht in den künftigen Jahren eine Wertsteigerung der Auslandsbeteiligung zumindest in Höhe der damaligen Abschreibung und ihre Realisierung durch Veräußerung erwartet werden. Auch eine weiterführende Gestaltung, etwa mit einer "vorbeugenden" Veräußerung der Beteiligung, kann für diese Fälle erwogen werden.

Die letzte Möglichkeit, die unter Umständen rettende Option auszuüben, ist für "alte" Körperschaften mit Firmenbucheintragung vor 2001 die Steuererklärung für das Jahr 2006. Für "junge" Körperschaften mit Eintragung ab 2001 steht die schwierige Entscheidung schon jetzt, mit der Körperschaftsteuererklärung für 2004, an. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 6.9.2005)

Dr. Peter-Michael Grau, StB, ist Mitarbeiter bei Ernst & Young, Wien. peter-michael.grau@at.ey.com
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