48 Stunden in Hurghada

13. Mai 2005, 10:35
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Man kann dem ägyptischen Badeort am Roten Meer allerlei Positives nachsagen, so wirklich schön ist er nicht. Susanne Mitterbauer hat sich an einem Wochenende eingehend über und auch unter Wasser überzeugt

Erster Tag

Der Wüstenwind Chamsin wird wohl schon ausgetobt haben, und normal-windig ist es hier immer. Ein Eldorado also für Segler und Surfer - neuester Super-Trend für die ganz Wagemutigen "kite-surfing" - statt des Segels ein paragleiter-artiger Drachen. Auch Taucher gehen täglich freudig erregt unter Wasser. 1984 standen an der schroffen Korallenküste (die schmalen Sandstrände wurden in Nacht-und Nebelaktionen aufgeschüttet, Rohmaterial gibt es ja in Hülle und Fülle) zwei kleine Hotels, heute sind es unzählbar viele mit derzeit 27.000 Betten und ein Ende ist nicht abzusehen. Die Häuser sind manchmal architektonisch sehenswert, manchmal erschreckende Kitsch-Variationen. Ockerfarbige, nubisch inspirierte, maximal dreistöckige Baukörper ziehen sich in Richtung smaragdfarbenes Meer. An der gegenüberliegenden Seite der Straße liegen die billigeren Absteigen. An dieser Hauptstraße ein seltsames Sammelsurium an tausend-und-einem Souvenirladen. Wer sich weitergehen traut, der kommt in den Stadtteil der 50.000 Einheimischen mit Basaren, Märkten und Schiffswerft, hier kann es fallweise noch recht orientalisch werden, wie im empfehlenswerten Restaurant [1] Felfela. Dann viel Sand und viele Steine, am Horizont bizarre Berge, die in der Dämmerung wie Scherenschnitte in den Himmel ragen. Wenn der Tag ganz still zur Neige geht, ist es hier auch ganz besonders schön. Nachtleben findet kaum statt, jedes Hotel hat seine Bar, der Alkohol ist mit 497% besteuert und der TV-Apparat hat 47 Programme.


Zweiter Tag

Die Gegend hier und im Sinai zählen zu den größten Hoffnungsgebieten des ägyptischen Tourismus. Vier Flugstunden von Mitteleuropa, keine Zeitverschiebung, durchgehend gutes Wetter und noch jede Menge Platz. [2] El Gouna (22 km nördlich von Hurghada) ist eine architektonisch durchgestylte Ferienlandschaft mit acht Hotels, Lagunen und Golfplatz. [3] Soma Bay (30 km südlich) bietet einen der raren, langen Sandstrände und wird aktuell zur autarken Region ausgebaut. Wasseraufbereitung - allein der 19-Loch-Golfplatz verschlingt täglich Hektoliter - Powerhaus, derzeit ein "Sheraton" und ein beispielgebend-idealer "Robinson-Club". Hier ist einer der besten Plätze, um sich wohl zu fühlen. Perfekte Organisation verbindet sich mit orientalischer Gelassenheit. Alles ist erlaubt, nichts wird erzwungen. Vor der Terrasse eine leicht gebändigte Wüste und ein weiter Meeresarm. Dahinter viel ungebändigte Wüste und die schroffen Bergspitzen, die auch mittels Jeep-Safari aus der Nähe besichtigt werden können. Demnächst kommen noch drei Hotels, eine Marina und weitere Golfplätze dazu. 240 km südlich davon, Richtung Sudan, sind derzeit die Spekulanten und Hotel-Scouts unterwegs. In Marsa Alam wird ein Flughafen gebaut, Hotels gibt es noch kaum, Infrastruktur überhaupt keine. Die Korallen-Riffe der Gegend sind noch unberührt, ab und zu kommt ein Safari-Boot vorbei. Und wer je den Hurghada-Airport live in seinem Horror erlebt hat, wird sich freuen. Fotos: Mitterbauer (6)

Infos & Details

Der Veranstalter TUI hat viele der besten Hotels der besprochenen Regionen im Programm und viel Erfahrung mit dem Zielort.
Charterflüge mit AUA oder Lauda.

Golfspieler - ich bin keiner - sind ganz begeistert von der Faszination der preisgekrönten Anlagen mitten in der Wüste. Teiche, Wiesen, Blumen, Felsen und Küste runden das Bild ab, dazu oft Wind. "Bunker" gibt es viele und wer ins "rough" spielt, landet ganz sicher auch im Sand.
Taucher - ich bin einer - sehnen sich langsam nach den südlicheren Teilen des Roten Meeres. Auch die scheuen Haie sind kaum mehr zu sehen. Dafür spielen oft Delfine rund um das Tauchboot.

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