Armin Wolf: "Haider war erstaunlich schaumgebremst"

12. Oktober 2005, 14:37
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Manöverkritik nach vier "Sommergesprächen", Wolfs härtestes Gegenüber und gute Momente

etat.at: Rechte Autoren auf der Homepage von Heinz-Christian Strache, Mouton Rothschild für Alfred Gusenbauer, Spesenabrechnungstaferl für Jörg Haider: Womit werden Sie Bundeskanzler Wolfgang Schüssel erfreuen?

Wolf: Da weiß ich noch nicht so genau, weil ich erst mitten in der Vorbereitung stecke. Es wird jedenfalls kein Taferl geben und wohl auch keine Weinflasche, außer ich finde noch was, das ich bisher noch nicht weiß ...

etat.at: Konnte Sie im Gegenzug einer Ihrer bisherigen Gesprächspartner überraschen (womit)?

Wolf: Herr Haider war erstaunlich schaumgebremst, beinahe milde, wie man sich eine konstruktive Persönlichkeit eben vorstellt. Herr Van der Bellen war wie er wohl ist, aber ich war schon erstaunt, wie oft er erklärt hat, dass man etwas nicht so eng sehen soll; was alles ein Fehler oder gar "ein Unglück" war und dass man Wahlversprechen eben nicht so ernst nehmen darf.

Ziemlich ehrlich für einen Politiker, aber an was kann sich ein potentieller Grün-Wähler jetzt halten? Und Herr Gusenbauer war ebenfalls sehr gebremst. Ich hatte ihn offensiver erwartet.

etat.at: Wer war bisher das härteste Gegenüber - und wo würden Sie Schüssel nach Ihren Erwartungen einordnen?

Wolf: Am schwierigsten war für mich - eigentlich unerwartet - Herr Haider, weil er eben so anders war als sonst. Und weil sich mein Zeitplan nicht ausgegangen ist.

etat.at: Im Vorfeld der Interviews sagten Sie mir (siehe dazu: "Keine Ahnung finde ich grauenvoll"), Sie würden Ihre Fragen vorher nicht intern - etwa mit Ihrem Chefredakteur - absprechen. Blieb es dabei?

Wolf: Zu 100 Prozent. Der Chefredakteur ließ mir jede Freiheit.

etat.at: Ihr Gespräch mit Alexander Van der Bellen sahen als einziges weniger als 500.000 Menschen. Warum gerade beim Grünen-Chef der Quotenknick?

Wolf: Einer der letzten warmen Sommerabende im Freien und ein "Bulle von Tölz" in ORF 1. Das ist schon harte Konkurrenz für den Chef einer Knapp-10-Prozent-Partei.

etat.at: Wieviele Zuschauer erwarten Sie nach Ihren bisherigen Erfahrungen für Wolfgang Schüssel am Dienstagabend?

Wolf: Keine Ahnung. Mich interessiert eigentlich nur, ob es ein spannendes und aufschlussreiches Gespräch wird.

etat.at: Mit welchen Themen dürfen wir rechnen?

Wolf: Natürlich kommen ein paar Dinge, die kommen müssen: Der Zustand der Koalition, die Arbeitslosenzahlen, EU-Türkei - aber das ist ja eh klar. Und was sonst noch kommt, werde ich jetzt nicht verraten. Sonst bereitet seine Pressesprecherin noch ein paar Textbausteine vor ...

etat.at: Sie sind bekannt dafür, dass Sie Ihre Sendungen nachher sehr kritisch analysieren: Eine Manöverkritik Wolf über Wolf nach vier Gesprächen?

Wolf: Mein Ziel war es, in den Gesprächen politische Porträts der fünf Interview-Partner entstehen zu lassen. Das ist, denke ich, in zwei Fällen ganz gut gelungen: bei Strache und Van der Bellen. Obwohl viele das Gespräch mit Van der Bellen im Vergleich zu den ersten beiden zu freundlich fanden. Aber dieses Problem war mir von vornherein bewusst.

Bei Haider und Gusenbauer bin ich nicht ganz sicher, wie sehr die Person, die über den Bildschirm kam, sich auch mit der Realität deckt. Insofern bin ich mir unsicher, ob ich mein Ziel erreicht habe. In jedem Gespräch gab es, glaube ich, ein paar gute Momente und auch ein paar Dinge, die ich im nachhinein anders machen würde. Das ganze ist ein bisserl ein Experiment und ein work in progress. Mal sehen, wie der letzte Versuch gelingt ...

etat.at: Uns ist aufgefallen, Sie stützen in den Sommergesprächen, eher ungewöhnlich für TV-Interviewer, recht oft ihr Kinn auf die Hand.

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