Der Brunnenmarkt, reif für Neuerungen

15. November 2006, 16:24
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Auf dem Brunnenmarkt wird umgebaut: Moderne Stände und Straßengestaltung sollen frischen Schwung auf den Markt bringen

Wien - "Hier kommen viel weniger Leute vorbei", fürchtet der junge türkische Händler um seine Umsätze. Hier, das ist die Schellhammergasse in Wien-Ottakring, wohin er mit seinem Marktplatz vom Brunnenmarkt übersiedeln musste. Der Grund: Der Brunnenmarkt, Symbol für kulturelle Vermischung und wegen des hohen Anteils an Einwanderern beliebte Wahlkampfbühne für alle politischen Parteien, wird saniert.

Neue Anschlüsse

Der mit der Gestaltung betraute Architekt Ernst Maczek-Mateovic betont hingegen die Vorteile der Revitalisierung des Brunnenmarkts: Um den Markt "in Bezug auf Hygienevorschriften zukunftssicher zu machen", wird der Abschnitt zwischen Friedmanngasse und Payergasse in einer ersten Bauphase bis Juni 2006 mit neuen Wasser-, Gas- und Stromleitungen sowie Kanalanschlüssen ausgestattet. Die seit Frühjahr in eine Fußgängerzone umgewandelte Brunnengasse soll durch Pflasterstein-Muster, Bäumen und Bänken attraktiver werden.

Der gesamte , soll bis 2009 in neuem Glanz erstrahlen. Als Ergebnis eines zweijährigen Bürgerbeteiligungsverfahrens werden insgesamt 4,4 Millionen Euro werden von der Stadt Wien und dem Bezirk in das Brunnenviertel, das den laut Stadtverwaltung längsten Straßenmarkt Europas beherbergt, investiert.

"Sanfte" Erneuerung

Um das Bild des 1786 entstandenen Marktes zu vereinheitlichen, werden den Besitzern der 198 Standln drei moderne Varianten angeboten. Die Händler zeigen sich aufgrund der hohen Kosten (zwischen 3000 und 18.000 Euro) skeptisch, ob sich die neuen Standsysteme, die nicht mehr abgebaut werden müssen, durchsetzen werden. "Es besteht kein Zwang", betont Birgit Brodner von der Gebietsbetreuung Ottakring. Schließlich werde seit vielen Jahren das Ziel einer nachhaltigen, "sanften" Stadterneuerung in Zusammenarbeit mit den Anwohnern und Geschäftsleuten verfolgt.

Unter diesem Motto stehen auch die anderen Sanierungsprojekte, die das Grätzel aufwerten sollen. In einem ersten Schritt soll das zweigeschoßige Barockhaus "Zum goldenen Kegel" in der Grundsteingasse 10 renoviert werden. Das ehemaligen Kaufhaus Osei an der Ecke Brunnengasse/Grundsteingasse, das noch bis Jahresende als Ausstellungsfläche für das Kunstprojekt "Soho in Ottakring" zur Verfügung steht, wird im Lauf des nächsten Jahres teilweise abgerissen und in einen Wohnbau mit Geschäftsflächen umgewandelt, ebenso wie das gegenüberliegende Gebäude. Auch der abgewohnte Wollner Hof an der Ecke Brunnengasse/Friedmanngasse, der lange als Spekulationsobjekt galt, kann nun saniert werden.

"Wir wollen eine gemischte Nutzung mit hochwertigen und billigen Wohnungen erreichen und die teilweise katastrophalen Zustände in den Häusern verbessern", erklärt Brodner. Vorgesehen ist zudem die Errichtung einer Tempo-30-Zone im gesamten Viertel, die Verlegung von Kurzparkzonen in Marktnähe sowie die Schaffung von weiteren Freiräumen, etwa im Huberpark, der mit Ruhebereichen erweitert wird.

Mit der Revitalisierung des Brunnenmarkts wird ein Vorhaben abgeschlossen, das mit der Umgestaltung der "Piazza" am Yppenmarkt im Jahr 1998 begonnen wurde. (kri, DER STANDARD Printausgabe, 03./04.09.2005)

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    foto: derstandard.at/graf
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