"Jeden Tag werden bei eBay zwölf Bagger verkauft"

15. Dezember 2005, 11:56
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Online-Marktplatz feiert zehnjähriges Bestehen - Neue Möglichkeiten sieht man in der gezielten Förderung von "Sub-Marktplätzen"

Das Internet-Unternehmen eBay hat zehn Jahre nach seiner Gründung ein Luxus-Problem: Jeder kennt den Online-Marktplatz und Millionen gehen dort ein und aus. Bei zunehmender Marktsättigung aber flachen die Wachstumsraten irgendwann ab. Jetzt will eBay den Handel mit bestimmten Produktgruppen wie Schreibwaren oder Möbeln verstärken und sich mehr als bisher auch dem Handel zwischen Unternehmen widmen.

Von null auf 7,6 Milliarden Dollar

"In den ersten Jahren hatten wir ein dreistelliges Wachstum", erinnert sich Deutschland-Geschäftsführer Stefan Groß-Selbeck wenige Tage vor dem Jubiläum am kommenden Sonntag. "Das kann man nicht in alle Ewigkeit fortsetzen." In Deutschland, wo eBay seit 1999 aktiv ist, stieg das Handelsvolumen von null auf 7,6 Milliarden Dollar.

Ein defekter Laserpointer

Neue Möglichkeiten sieht Groß-Selbeck in der gezielten Förderung von "Sub-Marktplätzen". Als Beispiel nennt er den Handel mit Büro- und Schreibwaren. Zwar war der allererste eBay-Artikel ein defekter Laserpointer, versteigert von dem in Paris geborenen Firmengründer Pierre Omidyar zum Preis von 14 Dollar. Aber inzwischen sind Fahrzeuge, Fahrzeugteile, Unterhaltungselektronik und Computer die meistverkauften Produkte. Jetzt wurden Büro- und Schreibwaren zu einer von 33 Hauptkategorien gemacht, die auf der Startseite aufgeführt sind und zum Bummel auf dem Internet-Markt einladen.

Auch im Bereich "Möbel und Wohnen" hat sich schon einiges getan. Alle acht Minuten werde bei eBay ein Sofa verkauft, erklärt Groß-Selbeck. Um die Vielfalt von mehr als vier Millionen Angeboten möglichst transparent zu halten und die Kundenbindung zu verstärken, will eBay die Nutzung der Plattform weiter verbessern, unter anderem über intelligente Suchfilter.

B2B

Neben den Versteigerungen mit Privatkunden verspricht sich der Manager einiges vom "Business-to-Business-Geschäft" (B2B). «Wir wollen vor allem kleinen und kleinsten Unternehmen die Gelegenheit bieten, miteinander in Kontakt zu treten und Handel zu treiben", sagt er im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AP. "Da gibt es ein ganz erhebliches Wachstumspotenzial." Viele kleine Unternehmen hätten es sich schon jetzt zur Gewohnheit gemacht, sich aus Kostengründen bei eBay einzudecken. "Jeden Tag werden bei eBay zwölf Bagger verkauft", sagt Groß-Selbeck.

Ängste

Seit seinem Start wird eBay von Ängsten begleitet, dass Betrüger den Preis künstlich hochtreiben, Mängel eines angebotenen Artikels verschweigen oder nach der Überweisung nicht liefern. "Unsere Nutzer haben einen Anspruch darauf, einen sicheren Marktplatz zu bekommen", versichert Groß-Selbeck und verweist auf eine Vielzahl von Vorkehrungen für mehr Sicherheit. So gibt es beim Bezahlen mit dem zu eBay gehörenden Dienst PayPal einen Käuferschutz mit einer Abdeckung bis 500 Euro - wenn der Verkäufer trotz Zahlung nicht liefert, kann der Käufer bei PayPal sein Geld zurück verlangen. Den Anteil von Auktionen, die betrügerisch oder mit Missverständnissen auf Seiten von Käufer oder Verkäufer verlaufen, gibt eBay mit 0,1 Promille an, also einem von 10.000 Fällen.

Dennoch habe sich "das Vertrauen in die Technik Internet in den vergangenen Monaten nicht positiv entwickelt", räumt der Manager ein. Es sei eine Herausforderung für die ganze Branche, die Aufklärung zu verstärken und die Entwicklung eines "gesunden Internet-Verstands" zu fördern.

Grundlage

Dabei ist Vertrauen eine zentrale Grundlage für den eBay-Handel. So hat sich eines der erfolgreichsten Internet-Unternehmen auch zehn Jahre nach seiner Gründung noch etwas vom Idealismus der Pionierzeit im Netz bewahrt. Die Kunden - in Deutschland inzwischen 16 bis 17 Millionen - werden als Mitglieder betrachtet, die Teil einer großen Gemeinschaft sind. Und deren erster Grundsatz lautet: "Wir glauben grundsätzlich an das Gute im Menschen." (APA/AP)

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