Ärzte warnen vor Langzeitfolgen von Handy- und Schnurlostelefonie

7. November 2005, 10:59
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Österreichische Ärztekammer: Erstmals haben sich auch in epidemiologischen Untersuchungen am Menschen Schädigungen der Erbsubstanz gezeigt

Auch die Österreichische Ärztekammer (ÖAK) warnte am Dienstag vor Langzeitfolgen der Handy- und Schnurlostelefonie und unterstrich damit die von der Wiener Ärztekammer kürzlich ausgesprochene Empfehlung zu mehr Sorgfalt mit mobilen Kommunikationsmitteln vor allem für Kinder. Laut ÖAK zeigen sich für das Handy auf allen naturwissenschaftlichen Nachweisebenen - und erstmals auch in breit angelegten epidemiologischen Untersuchungen am Menschen - Schädigungen der Erbsubstanz bzw. ein erhöhtes Risiko für gewisse Tumore.

Ergänzung

Die beiden soeben in der Fachzeitschrift "Environmental Research" und der Fachzeitschrift "Neuroepidemiology" publizierten Untersuchungen aus Schweden würden das vorliegende Bild ergänzen. Sie zeigen laut ÖAK wie schon zwei vorhergehende Studien ein erhöhtes Risiko für Tumore des Hörnervs sowie erstmals auch für bösartige Gehirntumore wie etwa Astrozytome nach langjähriger Verwendung von analogen und digitalen Handys sowie von Schnurlostelefonen.

"Kinder sollten Funktelefone deshalb grundsätzlich nicht verwenden"

"Es geht wie bei vielen Umwelt- und Lebensstilfaktoren auch bei elektromagnetischen Feldern und Strahlen um die Dosis. Und die kumuliert im Laufe der Jahre, wie die vorliegenden Studien uns zeigen. Kinder sollten Funktelefone deshalb grundsätzlich nicht verwenden", sagte der Referent für Umweltmedizin der Österreichischen Ärztekammer, Dr. Gerd Oberfeld, am Dienstag in einer Aussendung.

Viel zu wenig bekannt sei außerdem, dass auch die Verwendung von schnurlosen Heimtelefonen zu einer Strahlenbelastung führe, so Oberfeld. Die ÖÄK rate daher, für Telefonate zu Hause Schnurtelefone zu verwenden.

Belastung

Die wissenschaftliche Datenlage zur Belastung durch Handymasten und Basisstationen von DECT-Schnurlostelefonen sei dagegen weniger dicht, sagte der Umweltmediziner. Jedoch würden die bisher vorliegenden Ergebnisse erster epidemiologischer Untersuchungen sowie unzählige Fallberichte ärztlicher Kollegen zum Teil deutliche Auswirkungen auf Wohlbefinden und Gesundheit zeigen. In diesen Untersuchungen zeigten sich bei Anrainern von Handymasten unter anderem vermehrt Schlafstörungen, Konzentrationsprobleme, Energielosigkeit und Depressionen. Diese Symptome hätten in den vergangenen Jahren zugenommen.

GSM, DECT, UMTS, WLAN, WIMAX

Oberfeld: "Die Diskussionen über die Auswirkungen von Handymasten auf das Landschaftsbild sind wichtig - noch wichtiger ist jedoch die Frage eines effektiven vorbeugenden Gesundheitsschutzes bei Handymasten und anderen Dauersendern. Es kann nicht sein, dass alle paar Jahre weitere Funksysteme wie GSM, DECT, UMTS, WLAN, WIMAX etc. eingeführt werden und parallel dazu Vorsorgemaßnahmen und notwendige Forschungsanstrengungen unterbleiben." (APA)

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