Einserfrage: Ist Häupl ein "Bobo"?

17. Oktober 2005, 15:47
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Es antwortet: "Die Sektion" - Ein Gruppe junger Roter, die einen eigenen Wahlkampf zur Unterstützung der SPÖ veranstalten

derStandard.at: Was zeichnet einen Wiener "Bobo" (bourgeois bohemian) aus?

Die Sektion: Bobos stehen für einen Lifestyle, der urbanes Lebensgefühl und soziales Gewissen verbindet. Darum fühlt sich der Bobo in Wien auch so wohl.

derStandard.at: Sie wollen mit ihren Aktionen Grün-, aber auch ÖVP-Wähler erreichen. Waren solche beim Ferienspiel dabei, oder wurde nur "untereinander" im roten Bereich gespielt?

Die Sektion: Die 140 BesucherInnen haben jedenfalls nicht wie klassische Stammwähler der SPÖ ausgesehen. Sogar ein paar grüne Funktionäre haben uns besucht. Die waren überrascht, was trotz des regnerischen Wetters los war.

derStandard.at: Sie wollen Menschen ansprechen, "die höhere Bildungsabschlüsse und qualifizierte Jobs haben, aber deswegen ihr soziales Gewissen und ihre politischen Ansprüche nicht verloren haben". Der klassische Hackler darf nicht mitspielen?

Die Sektion: Alle sind herzlich willkommen. Der klassische Hackler weiß aber schon sehr genau, was er an der SPÖ hat. Darum wenden wir uns gezielt an jene, die bisher keinen Zugang zum roten Grundgefühl in dieser Stadt hatten.

derStandard.at: Auch die Grünen und neuerdings auch die ÖVP haben die "Bobos" mit ihren Wahlkampf-Aktionen im Visier. Wäre es nicht wichtiger, vielmehr zb. die Arbeitslosigkeit zu thematisieren, statt in einen Wettbewerb der coolsten Strände am Donaukanal bzw. um die Diskussion um den besten Cafe Latte der Stadt mit einzutreten?

Die Sektion: Darum haben wir ja auch im Rahmen des "Bobo-Ferienspiels" gezeigt, was in Wien so getan wird - im Gegensatz zu den skandalösen Versäumnissen des Bundeskanzlers, wenn es z.B. um die Bekämpfung von Jugendarbeitslosigkeit geht. Wir wollen Politik aber vor allem positiv und unverkrampft vermitteln, um die Lust am Mitmachen zu wecken. Mieselsucht bewegt nichts.

derStandard.at: Häupl bekam schon vor Jahren das Image des "intellektuellen Fiakers". Der Bürgermeister ist demnach überhaupt kein "Bobo" - oder doch?

Die Sektion: Michael Häupl ist mit Sicherheit vielseitiger als sein mediales Image, sonst wäre er nicht so erfolgreich. Ein mit allen Wassern gewaschener Bürgermeister muss sich aber nicht auch noch um den Posten des Oberbobos bewerben.

derStandard.at: SPÖ-Chef Gusenbauer ist ein bekennender Weinliebhaber, der auch zu Spargel und Chianti nicht Nein sagt. Ein Bobo an der Spitze der SPÖ?

Die Sektion: Er repräsentiert sicher einen lustvolleren Lebensstil als Wolfgang Schüssel, Alfred Gusenbauer kann aber wahrscheinlich auch ganz gut ohne dieses Attribut leben.

Die Sektion sind etwa 50 Menschen rund um die 30. Laut Homepage verstehen sie sich "als junge Rote", die die Wiener SPÖ mit einem eigenen Wahlkampf unterstützen. Zielgruppe: "Menschen um die 30, die gerne in dieser Stadt leben." Für solche Menschen werden mehrere kleine Feste und Aktionen im öffentlichen Raum veranstaltet.

Link

"Der Falter" über das Buhlen um Bobos in Wien

Die Fragen stellte Rainer Schüller

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    foto: www.diesektion.at
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