Ex-Militärmachthaber werden von ihren Untaten eingeholt

15. November 2005, 07:58
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Sterbliche Überreste einer 1977 in Buenos Aires verschleppten und ermordeten französischen Ordensfrau identifiziert

Buenos Aires - Fast drei Jahrzehnte nach ihrer Ermordung sind die sterblichen Überreste einer 1977 in Buenos Aires verschleppten französischen Ordensschwester identifiziert worden. Mediziner des Erkennungsdienstes erklärten am Montag (Ortszeit) laut Kathpress in Buenos Aires, dass die in einem anonymen Grab entdeckten Knochen eindeutig der Ordensfrau Leonie Duquet zugeschrieben werden können. Zusammen mit Leonie Duquet verschwand damals auch Schwester Alice Domon. Beide Ordensfrauen wurden Opfer der Handlanger der von Wahnvorstellungen umnebelten argentinischen Militärmachthaber, welche die Präsidentin Maria Estela (Isabelita) Martinez de Peron gestürzt hatten.

Duquet und Domon hatten versucht, Opfern der argentinischen Militärdiktatur (1976-1983) zu helfen. Ihre Verschleppung und Ermordung wurden zum Fanal der Militärmachthaber. Die beiden Nonnen waren nach Aussagen von Augenzeugen von jugendlichen "Offizieren" gefoltert und ermordet worden. Sie sollen betäubt und ins Meer geworfen worden sein. Bereits vor zehn Jahren hatten Zeugen berichtet, die Leichen der beiden Ordensfrauen seien in einem Kanal nahe des Rio de la Plata gefunden und anschließend heimlich auf einem Vorstadt-Friedhof von Buenos Aires vergraben worden. Nach Schätzungen von Menschenrechtsorganisationen sind während der argentinischen Militärdiktatur etwa 30.000 Menschen gefoltert und ermordet worden.

Die französische Regierung hatte sofort nach dem Verbrechen protestiert, allerdings fiel die Kopfwäsche für den argentinischen Botschafter und für argentinische Minister bei Parisbesuchen offensichtlich zu zahnlos aus. Im Jahre 1990 verurteilte ein französisches Gericht aber den Hauptverdächtigen, einen so genannten "Offizier" namens Alfredo Astiz, in Abwesenheit zu einer lebenslangen Haftstrafe. In Argentinien wird gegen den als "blonder Todesengel" bezeichneten Astiz in mehreren Anklagepunkten ermittelt.

Erst im Juni erklärte der argentinische Kongress zwei Gesetze für verfassungswidrig, die bis dahin verhinderten, die Menschenrechtsverletzungen während der Diktatur juristisch aufzuarbeiten. Damit wurde der Weg frei, künftig Verfahren gegen Militärangehörige zu eröffnen, die im Verdacht stehen, an Tötungen oder Folterungen beteiligt gewesen zu sein. Auf Grund der neuen Rechtslage wird damit auch ein Prozess gegen den Ex-Diktator Jorge Videla möglich, dessen Auslieferung Deutschland wegen der Tötung zweier deutscher Studenten beantragt hat. (APA)

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