Iranischer Bub verklagt Regierung auf Schadenersatz

8. November 2005, 06:40
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Wegen psychologischer Schäden in Flüchtlingslagern

Sydney - Ein iranischer Bub hat die australische Regierung am Montag wegen seiner Internierung in zwei Flüchtlingslagern auf Schadenersatz verklagt. Wie die Anwältin des zehnjährigen Shayan Badraie mitteilte, handelt es sich bei der vom Vater des Buben eingereichten Klage um die erste dieser Art in Australien.

Der Bub erlitt nach Angaben seiner Familie schwere psychologische Schäden als Folge seines zwei Jahre andauernden Zwangsaufenthalts im Lager Woomera in der südaustralischen Wüste und später in einem weiteren Lager für Asylbewerber in Sydney. Sollte die Klage Erfolg haben, könnte auf die Regierung des konservativen Premierministers John Howard nach Einschätzung von Beobachtern eine Flut von Schadenersatzklagen zukommen.

Vor religiöser Verfolgung geflüchtet

Der Bub und seine Angehörigen waren im Jahr 2000 an Bord eines Schiffes mit Flüchtlingen in Australien eingetroffen und unmittelbar darauf gemäß der restriktiven Asylpolitik der australischen Regierung interniert worden. Sie gaben bei ihrer Ankunft an, aus dem Iran vor religiöser Verfolgung geflohen zu sein. Rechtsanwältin Rebecca Gilsenan sagte, der Junge sei insbesondere durch die Selbstmordversuche und die Niederschlagung von Meutereien in Woomera traumatisiert worden. Gegen Anraten von Psychologen sei er nicht aus dem Lager herausgeholt worden. Im Jahr 2001 wurde er acht Mal im Krankenhaus behandelt. Nach insgesamt 17 Monaten im Lager hatte er Berichten zufolge aufgehört, Nahrung zu sich zu nehmen und zu sprechen.

Menschenrechtsorganisationen haben die Flüchtlingspolitik der australischen Regierung wiederholt scharf kritisiert. Im Juni hatte Howard auf Druck aus den eigenen Reihen angekündigt, dass Flüchtlingskinder und ihre Familien sowie Langzeit-Internierte künftig in Gemeinden statt in umzäunten Lagern in der Wüste leben sollten. Ende Juli kündigte die Regierung die Freilassung von mehreren Dutzend Kindern an. Sie reagierte damit auf Presseberichte, denen zufolge minderjährige Asylsuchende mehrere Jahre lang interniert wurden. (APA)

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